i66 Turniere
p,an>i, Gottfried von Prcuilly, war im uten Jahrhundert dererste, der die Gesetze uns Gewohnheiten der Turniere sammelte,die in der Folg,- auch bei andern Nationen angenommen wurden.Daß der d.utiche König Heinrich f. die Turniere Erfunden habe,ist ungegrüud r. Sebastian Munster, ein nicht ganz verwerflicherZeuge, 'meldcr in seiner Erdbeschreibung, daß das erste großedeutsche Turnier im I. xogü zu Magdrburg gehalten worden.Die Gesetze bei den Turnieren waren in der Hauptsache überallgleich, aber in Nebendingen, besonders was die polizeilichen An»ordnungen dabei betraf, waren sie oft sehr verschieden. EineSammlung solcher Gesetze findet sich in Rüxuexs Lurnierbuch (s.auch d. Art, Nitterschule), Außer der ritterlichen Geburt, warein durchaus uubescholtner Wandel eine unerläßliche Bedingung,um beim Turnieren zugelassen zu werden. Es scheint jedoch, daßman Nicht immer ganz streng diese Gesetze beobachtet habe, weilsonst viele Ritter mcht hätten zugelassen werden können. Zu dengroßen Turnieren, welche ein Fürst oder ein Hoher von Adel an-stellte, geschahen die Einladungen an benachbarte Fürsten und Rit-ter auf ein? lehr feierlich« Art; eben so wurden auch die Kampf-richter oder Turnierkönigs gewählt. Die Turniere wurden danndurch Herolde öffentlich ausgerufen. In Deutschland wurden dieseSpiele gewöhnlich auf dem Markte oder andern freien Plätzen derStädte gehalten, in Frankreich aber alsf freiem Felde in der Nach-barschaft von Städten. War dem Tage des Turnierens selbst muß-ten die, welche daran Theil nehmen wollten, wenn es nichtfürstliche Personen, oder sonst schon bekannte Ritter waren, ihreAhuenprobe machen. B-r, welcher das Turnier veranstaltete,setzte nicht nur den Preis (Dank) für die Sieger aus, sondern truzauch olle übrige» Kosten des Turniers und bewirthete die frem-den Gäste bisweilen mit großem Ausmünde. Außer diesen feierli-chen Turnieren federten bisweilen einzelne Ritter andere zu einemTurniere hergps, um etwa eine gekränkte Ehre oder sonst etwaszu verfechten. Sie durchzogen in dieser Absicht wohl mehrere Län-der, und hießen irrende, fahrende Ritter. — Die Waffen,deren man sich bei den Turnieren bediente, waren anfangs unke-schlagne Kolben und stumpfe Schwerter, dann aber, und fast aus-schließlich, Lanzen oder Speere. Je größer die Zahl der zerbro-chenen Lanzen war, die ein Ritter bei einem Turniere auszuwei-sen hatte, desto größer war sein Ruhm. Man nannte diese Waf-fen stumpfe Waffen (armes coirrtciises , AI acieuses ). Inder Folge wurden auch scharfe Waffen gewöhnlich, und dieTurniere wurden nun blutig und mörderisch. Aus diesem Grunde,und wegen des ausschweifenden Luxus, der oft dabei Statt halte,verboten Könige, Päpste und Kirchenvcrsammlungen die Turnierebei schwerer Ahndung; demungeachtet aber dauerten sie noch langeZeit fort. Die Einführung des Schießpulvers, welche die bis da-hin gewöhnliche Rüstung der Ritter unnütz machte, die ganz ver-änderte Art Krieg zu führen, vielleicht auch Änderung des Ge-schmacks und der Mode, trugen dazu bei, daß die Turniere smtüten Jahrhunderte nach und nach aufhörten. In Frankreich hattedas unglückliche Ende Heinrichs II. (igzy) sie ganz verhaßt g«'macht. Man erneuerte sie zwar später hiev und da wieder, aberbloß zur Lust. Die Carouffels (s. d. Art.) traten an ihre Stelle.An einigen deutschen Höfen wurden noch bis ins iKte Jahrhun-