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Turnkunst 167

dcrt Fuß-Turnier«, ganz im Geschmack der frühern Zeiten,jedoch bloß als Lustbarkeit, angestellt. Das letzte bekannte Festdieser Art war das Turnier, weiches am Hofe des Königs AugustH. im Jun. 1709 aus dem Markte zu Dresden gehalten wurde»Officiers von gleichem Range turnierten gegen einander mit Schwert'und Lanze. Die Formalitaten dabei waren ganz nach alter Arteingerichtet. . .

Turnkunst verdankt ihre gegenwärtige Beschaffenheit demin Berlin lebenden D. Zahn und ist nach dieser seil den Jahrenizro und iZir bekannt. Ihr Zweck ist sorgfältige dauernde Lei-tung körperlicher Ausbildung zur richtigen Anwendung der* Kör-perkraft; und es sollen hieraus anständige Haltung des Körpers,regelmäßige, nach den Umständen scharf abgemessene schnelle Bewe-gung, Körperkraft und Dauer, Gewandtheit des Leibes, Sinnen-Schärfe, Sinnen-Munterkeit und froher, lustiger Muth hervor-gehen. Es ist bekannt, wie schon die Alten, vor allen aber dieGriechen, die Jugend auf solche Weise zu bilden gestrebt; bekannt,wie umere Alt-Bordern im Kurnwesen und den ritterlichen Übun-gen ein Ähnliches zu erringen bemüht gewesen. Aber es ver-schwanden alle diese Übungen durch die Zeit und die verändertenAnsichten der Menschen. Erst in neuerer Zeit gedachte man wie-der in Deutschland der Nothwendigkeit einer Leibesbildunz, nebenjener des Geistes. Zu Dessau war es, wo — geschah es durchBasedow oder irgend einen andern ist nicht bekannt — zuerst dieLeibesübungen getrieben wurden, die man mit dem Nahmen Gym-nastik bezeichnete. Bon hier aus gingen sie mit Salzmann nachSchnepfenthal, wo bald die vorzüglichste Pflanzschule fürGymnastik entstand, die Gutsmuths mit vorzüglichem Eifer aus-bildete und mit Verstand pflegte. Sein Buch, das unter dem Ti-tel einer „Gymnastik" erschien, brach bald diesem Erziehungsge-genstande den Weg nach mehrern Gegenden, vor Allem nach Dä-nemark. Als nun zur Zeit des Franzosendruckes jeder deutscheMann nach Freiheit schmachtete, überall aber Verweichlichung desVolks, sie zu erringen, entgegen war, da ward es den Thätigernund Verständigern im Volke erst klar, wie nur durch Jugcndbil«düng die Freiheit vprbercitet werden könne. Nachdem v. Iahnschon im I. igio in Berlin die körperliche Ausbildung der Ju-gend zugleich in Beziehung auf künftige Baterlandsvertheidigungunter dem Nahmen der Turnkunst angefangen, eröffnete er zuerstigii im Frühjahr den ersten Turnplatz in der Hasenhaide. Obscko», wie fast immer jede gute neue Einrichtung, auch diese An-stalt anfänglich viele Widersacher fand, so ward doch dem Volke derwahre Zweck des Ganzen immer mehr klar. Die Anstalt nahmtäglich zu; schon I8i2 konnten mehrere als gute Vorturner auf-treten. Hierbei bildete sich ein Turnkünstlerverein, welcher zumZweck hatte, über,alles, was demLurnwesen.auf irgend eine Weiseförderlich seyn könnte, sich zu besprechen. Als aber Iahn später-hin mit allen wehrhaften Turnern ins Feld zog, stand einer sei-ner besten Schüler, Ernst Fiseler, der Lurnanstalt 2 Jahre langvor. Nach beendigtem Kriege blüht« die Turnkunst, deren Vor- ,theil in lhm sich bewährte, immer fröhlicher aus, und hat jetzt andielen deutschen Bildungsanstalten bereits festen Sitz. Das WortTurn selbst ist ein altdeutsches Wort, das drehen, wenden, len-ken, schwenken rc» bedeutet und aus dem Deutsche« mit in das