Unitaricr 219
einer Tonleiter Statt finden. Da hingegen der Einklang sehr wohlauf jeder Stufe einer Tonleiter sich zeigen kann- indem wohlin einem mehrstimmigen Satz zwei und mehrere Stimmen aufder Secunde, Terz, Quart u. s. w. in den Einklang treten kön-nen, 2 Kann die erste Stufe (oder vielmehr der Ton auf der-selben) einer Tonleiter, also die Prime, um einen kleinen halbenTon erhöht werden, ohne ihre Natur als Prime zu verlieren, dasie dabei ihre Stufe behauptet, woraus das Intervall der übermä-ßigen Prime entsteht. Allein der Einklang ist keiner Erhöhungoder Erniedrigung tähig, ohne seine Eigenschaft als sol»er zu ver-lieren; denn sobald einer von den beiden im Einklänge stehen-den Tönen erhöht oder erniedrigt wirb, hört er auf, Einklang zusey», und tritt aus dem Verhältniß der Gleichheit, nämlich ftattiiiwird es nun irUoder i:ZH. Ein übe räß i g er Einklang (derjedoch durch die Verwechslung mit der Prime wirklich in mehrer»ältern Lehrbüchern aufgeführt wird) ist ein offenbarer Widerspruch»Übrigens vertritt häufig der Einklang die Stelle der Octave, undist dann in der Anwendung denselben Regeln wie jene unter-worfen. t?- kl.
Uni tarier heißen die Glieder einer christlichen Gerte, welcheim alleinigen Besitz des Glaubens an die Einheit (Enäras) Gotteszu seyn meint und die kirchliche Lehre von der Dreieinigkeit ver-wirft, daher sie auch Lntitrinitarier und neue Ariancr genanntwerden. Schon gegen die Mitte des löten Jahrh, hatten sie Ge-meinden in Polen und Siebenbürgen gegründet, unter denen er-stere Lehrer von ansgezei-bneter wissenschaftlicher Bildung und inRakau auch eine gelehrte Schule nebst einer Buchdruckerei besaßen.Innere Lehrstreitigkeiten siört-n den Frieden dieser polnischen Uni-tarler, deren freie ReHaionsübung hauptsächlich durch den Schutzangesehener adeliger Familien, die ihnen angehörten, bis in dieMlute des i7ten Jahrh, gesichert ward. Ein Exceß ihrer Stu-dircndcn zu Rakau zog in Folge des Reichstags im Jahre iöA 3die Aufhebung ihrer dortigen Schule und Kirche und harte Ver-folgungen von Seilen der Catholiscken nach sich, die sie wegenihres Zusammenhaltens mit den Schweden in den damaligen Krie-gen treffen mußten. Endlich wurde 1658 durch ein königlichesEdict ihre Religionsübung in Polen gänzlich unterdrücke, und je-dem dieser neuen Ariancr oder Socinianer, wie man sie nannte,geboten, entweder catholisch zu werden oder binnen drei Jahre»das Land zu räumen. Manche wählten das erste, doch die Mei-sten flüchteten sich mit den Resten ihres Vermögens in westlicheprotestantische Länder. In Preußen gründeten sie zwei Colvnicn,wovon die eine zu Andreaswalbe im Amte Johannisburg noch miteiner eigenen Kirche und freier Religionsübung besteht ; in Le-rtiA-land verstattete man ihn-n nur einen vorübergehenden Aufenthalt;in Holland verloren sich inehrcre unter den ähnlich gesinnten Re-«uonstranten und Laufgesinnteii. Nur die nach Siebenbürgen ge-flüchtet?,, fanden brüderliche Aufnahme; denn dieses Großfüvsten-thum ist das einzige Land in Europa, wo die Unitarier eine durchGesetze gesicherte freie Religionsübung bis jetzt genießen, unter dievon, Staat recipirten Consessioncn gehören, an allen bürgerlichenRechten und öffentlichen Ämtern Theil nehmen und ihre eigenenDcputirten zu den Landtagen schicken. Ihre Anzahl beläust sichjetzt auf Z2,ooo Seelen, fast durchaus Ungarn und Szekler, die