Band 
Zenhter Band. To bis Z.]
Seite
221
JPEG-Download
 

Univerfikäten 221

k-roviriuin, Lononievse, für Universität zu Padua, Bologna. —Die eigentliche Zeit des Ursprungs der ersten Universitäten in Eu-ropa läßt sich nicht mit völliger Gewißheit angeben. Bis zu denZeiten Carls des Großen war Europa durch die Völkerwanderun-gen und unaufhörliche verwüstende Kriege in die größte Barbareiversunken. Carln gebührt das Lob, daß er in den, seinem Scepter' unkerworsnen, weitläuftigen Ländern, nach dem Rath und durch

> die thätige Mitwirkung des Engländers Alcuin (s. d. Art.), wis-

' senschaftliche Kenntnisse zu verbreiten suchte. Auf seinen Befehl

> ' wurden bei jedem Kloster und bei jeder Stiftskirche Schulen errich-

' tet, die zwar hauptsächlich der Bildung künftiger Geistlichen ge-

' widmet waren, wo aber. auch Jünglinge aus vornehme» Familien,

> die nicht für den geistlichen Stand bestimmt wurden. Unterricht er-

' hielten, Es wurde in diesen Kloster- und Dom-Schulen

- zwar nicht in allen Wissenschaften Unterricht ertheilt, aber ihre

> ganze Einrichtung war geeignet, die geistigen Talente zu entwi-

k ekeln; aus ihnen gingen die bekannten Schriftsteller Adqm von

- Bremen, Lambert von Aschaffenbucg und andere hervor, die bei

e allen Fehlern, welche man an ihnen rügt, doch immer einen gc-

e bildeten Geist zeigen. Diese.Schulen waren mehrere Jahrhunderte

t hindurch die einzigen Anstalten, wo Wissenschaften gelehrt wurden.

- Nach und nach traten an einigen Orten Lehrer auf, die in neuen

- Wissenschaften, oder bestimmter zu reden, in Wissenschaften, die

- man bis dahin noch nicht gelehrt hatte, Unterricht ertheilten. Dert > Reiz der Neuheit oder das Eigenthümliche des Bortrags dieser

- Lehrer sammelte bald eine Menge wißbegieriger Schüler um sie her.

- : So entstanden einzelne, von den Dom- und Klosterschulen ganz

- ' verschied»« Schulen; der Lehrer, welche eine solche Schule um sich

sanunelie, hieß der Rector (Vorsteher, Regierer) seiner Schule.

> In Paris standen im Anfange des i2ten Jahrhunderts mehreresolcher Lehrer auf, die vorzüglich Philosophie, Rhetorik und Theo-

- logte lehrten; sie waren nicht alle aus dem geistlichen Stande, selbst

- der berühmte Abelard (s. d. Art.), der zu'diesen Lehrern gehörte,n war, als er seine Schule öffnete, noch nicht Geistlicher. Der große

- Ruf, den sich diese Lehrer erwarben, und die Vorzüge und Annehm-

n lichksrlen der Stadt Paris, zogen auch aus fremden Ländern ein

>, Menge junger Leute herbei, die sich unterrichten wollten, und

!- so entstand nach und nach die erste Universität in Europa. Sie

b war von keinem Regenten gegründet' oder mit Privilegien versehen

worden; Lehrer und Schüler waren ganz unabhängig und konntenl> den Ort ihres Aufenthalts nach Belieben ändern; sie selbst gaben

d sich eine Verfassung, die von der Regierung stillschweigend genrh-

e- migt worden zu seyn scheint. Gegen Ende des i2ten Jahrhun-

re derts ertheilte ihnen König Philipp August die Befreiung von

;e allen königlichen Gerichten. Lehrer und Schüler constituirten sich "

ie selbst zu Corpcrgtionen, und anstatt daß vorhin jede Schule ihren

m besondern Vorsteher gehabt hatte, wählten sie (1206) durch liber-al «inkunft einen gemeinschaftlichen Rector. Dadurch wurden sie eine

n Commun, ein Körper, den man nniversirss nannte. Die immer

er stärker anwachsende Menge der Lehrer und Schüler machte jedoch

a. verschiedne Verfügungen von Seiten der Obrigkeit zu Erhaltung

ss der guten Ordnung nothwendig. Eine öffentliche Beleidigung, die

id (l22y) den Studirenden zu Paris zugefügt worden war, und für

m welche sie die verlangte Genugthuung von Seiten des Hofes nicht