366 Vogler
in Darmstadt, noch viel zu früh für die Kunst. Er war einerder größten praktischen und theoretischen Tvnkünstler, und riner»müdrt thätig in allem, was auf Vervollkommnung der Tonkunstabzweckte. Er war einer der speculativsten und scharfsinnigstenLongelehrten, ein großer Cla'ner- und noch größerer Orgelspie-ler, ein geistvoller und gründlicher Componist und ein rastloserForscher im Gebiete der Tonkunst. — Sein Genie entwickelte sichschon früh, und schon in seinen Universitätsjahren (er sindirte inseiner Vaterstadt Philosophie und in Bamberg das öffentliche undkanonische Recht) zeichnete er sich als einen sehr fertigen Clavier- undbesonders Orgelspieler aus, und zeigte auch schon damals durchmehrere wohlgelungene Versuche seinen Beruf zum Komponisten.Da nachher sein Wunsch, in seinem Vaterlands eine Einstellung zufinden, nicht erfüllt wurde, ging er nach Mannheim, wo ihn derdamalige Churfürst Carl Theodor sehr gut aufnahm, und ihn umsJahr 177z nach Bologna schickte, um daselbst bei dem berühmtenP. Martini den Contrapunkt zu studrren. Da Vogler aber Mar-tini's System seinen bis dahin angenommenen Grundsätzen nichtangemessen und vereinbar fand, so verließ er diese Schule undging nach Padua zu dem P. Valotti, um seine Studien des Con- ,irapunktsbei diesem zu vollenden, undstudirte daselbstnebenbei auchnoch Theologie. Ums Jahr 1775 oder 76 kehrte er nach Mannheimzurück, erhielt daselbst die Birection der Capcllc und stifteteseine bekannte Tsnschule, worin er öffentliche Vorlesungen überMusik hielt. Bom Jahr 1780 an war er größtentheils auf Rei-sen durch Deutschland, Frankreich, Holland, Dänemark, Schweden, >England, Spanien, ja (wie Gerber berichtet) selbst bis Asien hin-ein, und auf die armenischen Inseln. Überall fand er Beifall?und Auszeichnung. Im Jahr 1736 würde er,,in Stockholm alskönigl. schwedischer Capellmeister angestellt, was ihn jedoch keines«Weges hinderte, seinen Hang zu Nachforschungen durch fortgesetzte-Reisen zu befriedigen. Im Jahr 1790 rers'te er nach London und«ließ sich daselbst auf dem von ihm erfundenen Instrumente, Or-kLerrrioii, hören. Im Jahr 1791 durchr.rs'ts er die Rherngegen- >den und Schwaben; im Jahr 1792 befand er sich in Hamburg, woer sich in 6 Concerten in 4 verschiedenen Kirchen auf der Orgelhören ließ, und kehrte ums Jahr 1793 nach Stockholm zurück,woselbst er 2 Jahr lang Vorlesungen über'die Harmonie' hielt.Hierauf reis'te er 1795 abermals »ach Paris, kehrte aber von dabald wieder über Holland nach Stockholm zurück. Im Jahr 1799verließ er Stockholm für immer, mit einer lebenslängliche» Pen-sion von 500 schwedischen Thalern, ging auf einige Zeit nach Eo-penhagcn, wo er seinen Herrmann von Unna aufs Theater brachte,verweilte eine Zeit in Mona und kam im Jahr rxoc> nach Berlin,wo er die Orgel der Marienkirche nach seinem Simplisicationssy-steme einrichtete und in drei brillanten Orgeleoncerten sichhören ließ. Im Jahr iZor den ytcn November wurde ersti Prag als ordentlicher öffentlicher Lehrer der Tonkunst installirt,Und hielt eine Zeit lang öffentliche Vorlesungen über Musik. ImSommer deS Jahres rgoz machte er eine Reise nach Wien, umdort eine Oper zu componiren; und als im Jahr '1805 der Krieg«usbvach, begab er sich nach Bayern und führte in München beider Vermählüngsfeier der dasigen Prinzessin leine große Oper: E r-ster und Pollur, auf. Im Jahr 1307 inacht-e er eine Rsise nach