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706 Limenes

eine Menge MißbrLuche abschaffte und streng darauf hielt, daß dieöffentlichen Stellen mit redlichen und geschickten Männern besetztwurden. Den Geistlichen seines Sprengel« gab er sehr weise Bor-schriften und bewirkte, aller Widersprüche ungeachtet, «ine Reformder Mendicantenorden in Spanien. Er gründete 14YY die Universi-tät zu Alcala de Henares und unternahm einige Jahre nachherein Werk, welches allein schon ihn berühmt gemacht haben würde —eine Ausgabe des alten Testaments in vier Sprachen (Polyglotte;s. d. Art.). Er rüste in dieser Absicht die gelehrtesten 'MännerSpaniens zu sich, scheute keine Kosten, besonders für den Ankaufguter Manuscripte — er soll auf das.ganze Werk 60,000 Ducatenverwendet haben — und nahm selbst Antheil an der Arbeit. DieArbeit wurde 1522 gänzlich beendigt, und da sie zu Alcala (la-teinisch Lorn^lrrttrin) gedrückt worden war, erhielt sie den Na-men: Liblra Loinplutensis. Früher schon (1514) hatte erebendaselbst eine Ausgabe des neuen Testament» in der Urspracheveranstaltet. Limenes Thätigkeit erstreckte sich auch auf andre Ge-genstände. ES herrschten in der königlichen Familie Uneinigkeiten.Philipp von Lsterreich, Sohn des Kaisers Maximilian I., hatte sichmit Johanna, der einzigen Tochter Ferdinands des Catholischenvon Aragonien und der Jsabella, Königin von Castilien, vermählt.Nach dem Tode der Letzter» erhielt Philipp, da leine Gemahlin dieeinzige Erbin ihrer Mutter war, das Königreich Castilien. Diesgab zu Uneinigkeiten zwischen ihm und seinem Schwiegervater An-laß, die Limenes beseitigte. Nach Philipps frühem Tode (150S)wurde Ferdinand Regent von Castilien für seinen minderjährigenEnkel, den nachmaligen Kaiser Carl V. Auch hierbei hatte Li-menes durch sein Ansetzn und seinen Einfluß viel mitgewirkt. Ererhielt vom Papste den Cardinalshut, wurde zum Großinquisitorvon Spanien ernannt und bekam einen großen Antheil an denStaatsgeschäften. Da er aber Ferdinands mißtrauische Denkartkannte, verließ er den Hof und ging in sein Erzbisthum zurück.Die Bekehrung der Mauren und der Gedanke, diesen Ungläubigeneinige Provinzen zu entreißen, beschäftigte ihn vorzüglich. Er ent-warf in dieser Absicht den Plan, nach Afrika überzusetzen, umdie Festung Oran-wegzunehmen, die in den Händen der Maure»tvar. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß Ferdinand diesen Plan inder Hoffnung genehmigte, daß Limenes bei der Ausführung um-kommen würde. Limenes wendete die Einkünfte seines Erzbis-thums, des reichsten in Europa — es brachte jährlich Zoo,000 Du-caten ein — zu diesem Zuge an. Eine Meuterei, welche unter ei-nem Theile der Truppen entstand, die keinen Geistlichen zumLnfübrer baden wollte», dämpfte er augenblicklich durch Strenge.Im Mai igoy landete er an der Küste von Afrika. In erzbischöf-licher Kleidung, über die er einen Harnisch trug, von Priester»und Mönchen, wie bei einer geistlichen Prozession, umgeben, führteer selbst das gelandete Heer an. Es erfolgte bald in der Nähevon Oron eine Schlacht, in welcher die Mauren besiegt wurden.Die Festung wurde gleich darauf erobert, und die Beiatzung dersel-ben niedergemacht. Limenes ließ Oran neu befestigen, verwandeltedie Moscheen in Kirchen und kehrte dann als Sieger nach Span-mzurück, wo ihn der König Ferdinand feierlich empfing. Als dieser1516 starb und sein Enkel Carl noch minderjährig war, wurde L>»