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Zenhter Band. To bis Z.]
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744 Zetergeschrei

sich vorzüglich mit Philologie, Dichtkunst und deutscher Sprache.Ein öffentliches Amt hat er nie bekleidet, aber er scheint in gro-ßem Ansetzn gestanden zu haben. Er wurde kaiserlicher Pfalzgraf,als Poet gekrönt, in der Folge geadelt, und erhielt von einigensächsischen Fürstenhäusern den Titel als Rath. Nach vielen Reisenin Deutschland und Holland ließ er sich zu Hamburg nieder, wo eri6zy im yosten Jahre starb. Lange vorder schon (164z) hatte erzu Hamburg eine gelehrte Gesellschaft: die deutsch gesinnteGenossenschaft oder den Rosenorden, gestiftet, in welcherer den Namen des FLrtigen (Fertigen) führte. Die Verbesse-rung der deutschen Sprache und Dichtkunst scheint der Hauptzweckdieses Vereins gewesen zu seyn. Eine Nachricht von dieser Gesell-schaft und ihren Statuten gab Zcsen unter dem Titel: das hoch-deutsche hellkonische Rose n th al rc. rc. Amsterdam it>6y,heraus. Im 1 .1648 wurdeZesen auch in die fruchtbringendeGesellschaft unter dem Namen des Wohlseyenden aufge-nommen. Zesen war ein sehr thätiger und fleißiger Mann, dermit ungemeincr Leichtigkeit arbeitete, viel Kenntnisse befaß undnicht ohne Talente war. Aberisein übertriebner Eifer, unsreSprache umzuschaffen, alles Fremdartige aus derselben zu verdrän-gen, statt dessen eine Menge »»nöthiger und sonderbarer Neuerun-gen in dieselbe einzuführen, wobei er nur zu sehr Mangel an Ge-schmack und Kritik verrieth, haben ihm, statt des gehofften Ruh-mes, nur Tadel und Spott zugezogen. Seine Anhänger, dieZesiancr, erhöhen ihn zwar über alles, schadeten ihm aber viel-mehr durch die Übertreibung ihres Lobes, so wie ihres Eifers, dieSprache zu reinigen, in welchem sie auf die lächerlichste und un-gereimteste Art noch weiter als ihr Meister selbst gingen. Ar-sen und seine Schüler wollten eine veränderte Orthographie einfüh-ren. Sie nahmen dabei zur Hauptregcl an, daß man so schrei-ben solle, wie man spreche, aber sie gingen darin offenbar oftfehl. Sie schrieben z. B. Mänsch, wärden, FLder, stattMensch, werden, Feder. Aber noch weit sonderbarerem,!» auf-fallender war ihr Bestreben, an die Stelle allgemein bekannter undverständlicher Worte andere, oft ganz läppische Ausdrücke ein-zuführen, z. B. Dachnase, Schießprügel, Kopfdeckel,Zeugemutter rc., anstatt Schornstein, Flinte, Hut, Natur.Den aus derMythologie bekannten griechischen und römischen Gott-heiten gaben sie abgeschmackte deutsche Namen. Sie nannten dieDiana Weidn,, Minerva Klugin, Venus Lustin, Pomona Obstin,der Bulcan Glutfang. Sie wollten überhaupt alle fremden Wör-ter oder die nur irgend eine fremde Abstammung verriethen, ganz«us der deutschen Sprache wegschaffen. Einige von Jesen anstattder fremden eingeführte, die Sache ausdrückende deutsche Wirrersind uns doch geblieben, und er hätte unstreitig manches Gute fürdie Sprache wirken können, wenn er dabei mit mehr Vorsicht undKritik gehandelt hätte. Die Anzahl seiner poetischen, kritischen,satirischen und moralischen Werke, die er selbst, in allen Forma-ten, herausgegeben hat, beträgt über 70, und mehr als 40 hat erzum Theil unvollendet hinterlassen. Für eins der bessern seinerGedichte, das zugleich einen Theil seiner Lebensgeschichte erzählt,hält man: Priorau, oder Lob des Vaterlandes, Amsterdam1630.

Zetergeschrei oder Zetterge schrei, s. Todesstrafen.