8o6 Tyrol
Europa, welcher, durch verschiedene Stimme bevölkert, auf keinerSeite von der Natur begranzt, wohl aber durch sie zerschnittenund getrennt, bei aller Verschiedenheit von Himmelsstrich undAnbau, vcn Verfassung, Sprache, Sitten und Charakter der Be-wohner, im Laufe von sieben Jahrhunderten aus lauter abgerissenenStücken größerer Länder zusammengesetzt, dennoch eine selche Ein-heit des Willens und der Kraft bewiesen hätte, wie Tyrol. Demrömischen W ltjoch unterworfen durch Augustus Stiefsshnc, Dru-sus und Tibers bevölkert mir Römern, und damals ein Theil vonRhätien, Windelizie», den beiden Norikum, ^im fünften Jahr-hunderte die Heerstraße der aus dem rauhen Norden nach ItaliensMildem Himmel ziehenden Barbaren, in der folgenden Zeit derLumnulplatz der Ostgothen, Langobarden und Franken,und ein Theil der von ihnen nach einander gestifteten Reiche, imsiebenten von Osten her bedrohet, slowakisch zu werden, im Sü-den italienisch, in ungewissen schwankenden Landmarken, imNorden deutsch, unter einem Herrn, als Carl her Große denwankenden Thron des longpbardischen Desiderius endlich gestürzt,und bei Khassilo's Treubruch auch das agilolfingische HerzogthumBayern.mit ferner Krone vcreinigr hatte, und durch GrafenVerwalten ließ. — In der gewaltigen Zeit des Mi'ttelalters warTyrol fortwährend zwischen. Deutschland und Italien, zwischenfielen geistlichen und weltlichen Herren getheilt. Die Kaiserselbst befestigten diese Theilung, damit kein Einzelner gebieterischeOberhand gewinne in diesen Bergen, die ihnen für die Heer-sah-ten nach Italien so ungemein wichtig waren. Ein allzumäch-tiger Bayexherzog, wie Otto von Rordheim oder die Weifen, aufPapstes Seite, hätte dem Kaiser gar leicht Italien ver-schließen können. Es. herrschten im Süden die Bischöfe vonLrient im beständigen hartnäckige» Kampf zwischen Adel undStädten, Feudalsystem und Eomrnunalwesen, mehr als einer au«ihnen von den mächtigen und eiieisüchtigen Landherrn ermordetoder vertrieben, am schrsersten bedroht von denen, welche siehätten beschützen sollen, von den Grafen zu Tyrol, ihres Hoch-sifires Sch irnrv ö g tcn. . Im Elschthale saß ein übermächtigesund übermüthiges Geschlecht welsischec Abkunft, die Grafen vonEppan, Ulten und Greifenstein. Irr unaufhörlicher Lhaenfeindeschalt mit ihnen, in Werrschgau und tief in Engadein bis in Ho»hrnrhäkien, die Gallgre.se«, Schirmsögte von Trient, derenHautpjchloß, Tyrol, jn der Folge dem ganzen Land seine»Namen gab. Am Irrn und Eisack waren verschiedene Zwergs derHäuser And ech s (späterhin Herzoge von Dalmatien, Croalienund Meran) und von Scheymen - Wi.t telsü a ch mächtig, wel-ches Haus durch Heinrichs des Löwen Fall noch größer geworden.Im Pusterlbale an der Ricnz und Drau herrschten die Gaugrafrsvon Luru, späterhin Grafen von Görz, Pfalz grasen in Kärn-then, Langsam, aber mit Macht, erhoben sich die Städte, Bol-zen insonderheit und J.rtzdruck, auch Trient, oft gegen seinenBischof. Durch den italienischen und levantischen Waarendurch-zug floß ein guter Theil des Reichthums v:n Benebig, Genua,Prsa und Florenz in ihre Hände, keine Zölle drückten. — Nieder-lagen und Rottvtdnungen und frühe Abstellung alles Faußrcchts
lockten-den Kaufmann und seine Waare. Das Hirtenlebe» wareinförmig, hex Wein- und Ackerbau beschwerlich,, hex dienst- ««'