Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
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L4 Adel

Die mancherlei Kränkungen sowohl, die er darüber erfahren mußte, sieals auch die Abnahme seiner Gesundheit bewogen ihn sehr bald, beidie Stelle wieder niederzulegen, worauf er 1719 zu Hollandhouse nebei Kensington in seinem gZsten Lebensjahre an der Wassersucht unstarb. Er wurde in der Westmünsterabtei beigesetzt. — Als Ge> belehrter zeigte sich uns Addison unter verschiedenen Gesichtspunkten, deZwar hat er sich in keiner seiner mancherlei Schriften zu der Stufe deder Überlegenheit, welche das Genie auszeichnet, in allen jedoch teiweit über die Mittelmäßigkeit erhoben, und in einigen hat er eine abBereinigung von Scharfsinn und Urtheil, von Geschmack und Scherz degezeigt, die eben so selten ist, als die wahre Genialität. Außer trseinen lateinischen schrieb er eine große Anzahl englischer Gedichte, Wmeistens Übersetzungen und Nachahmungen des Virgil, Horaz und thDvid. Sein Gedicht auf die Schlacht von Blcnheim ist schon oben diangeführt worden. In England gilt Addison für einen geistreichen, Beleganten und wohlklingenden Dichter, und die Meisten setzen ihn SPopen und Dryden an die Seite. Wir können diesem Urtheil m>Nicht beistimmen. Als tragischer Dichter nimmt er einen sehr tie- Aisen Platz ein. Bon seinen prosaischen Werken ist nächst dem Iu> wschauer seine Reise nach Italien das wichtigste. Seine Prosa st>ist in jeder Rücksicht musterhaft und verdient ihrer Reinheit und medeln Einfachheit wegen studirt zu werden. Als Mensch war Ad> hedison von den untadelhaftesten Sitten, ein aufrichtiger Anhänger alder Religion; ernst und zurückhaltend in seinem Betragen; in der deGesellschaft furchtsam und verlegen, sprach er wenig vor Personen, <ndie er nicht genau kannte. Ich habe nie, sagte Lord Ehestcrfield, > steinen bescheidenern und linkischer» Menschen gesehen. Unter seinen S>Freunden war seine Rede fließend und anmuthig. Pope wirft ihm «lNeid auf fremdes Talent vor. st

*A d e^ Überhaupt kann die Frage nicht sowohl von der zweck- EMäßigkeit des Adels, sondern nur davon seyn, ob er in seiner Abisherigen Gestalt noch dem Geiste der gegenwärtigen Zeit ange- Bmessen sey. Daß er es früher gewesen, wird durch seine lange BExistenz bewiesen; denn dir Erfahrung lehrt, daß, wie kurz oder uilang auch der Kampf sey, jedes dem Aeitgeiste widerstrebende und giwidersprechende Institut demselben unterliege. Die Ursachen aber, mdurch deren Zusammenwirkung der Adel seine ursprüngliche Bedeu- d«tung verlor, und den Reformen entgegengeführt wurde, die er b-theils schon erfuhr, theils noch erwartet, bieten sich uns leicht Edar, wenn wir einer SeitS seine Entstehung und Bestimmung, und «anderer Seits die Fortschritte betrachten, welche der menschliche SjGeist seitdem machte, und die Veränderungen, welche dadurch inder bürgerlichen Verfassung hervorgebracht wurden. Der Adel ent- sostand aus dem Kriege; seine Bestimmung war für den Krieg; Tap-serkeit seine erste Lugend; Güter und Vorrechte seine Belohnung.Sowohl jene als . diese erbten von Vater auf Sohn. Als aber «ldurch die Erfindung des Sckießpulvers und dessen verbreiteter» ^Gebrauch die Gestalt der Kriege verändert wurde, als nicht mehrpersönlicher Muth das einzige Erforderniß zum Kriegführen war, "sondern der Erfolg der Schlachte» durch die Massen der Kämpfen- >den und deren geschickte Leitung entschieden ward; da bereitete sich *der Verfall des Adels zuerst vor. Sein Ansehen blieb jedoch un- ^'geschwächt, so lange ex nicht nur der tapferste, sondern vermögtseines Reichthums auch der gebildetste, vornehmste und dem Für«