774 Erdenge Erfahrung in der Arzneikunde
Alkalk auf, gibt aber mit Säuern schrumpfende Salze; 4. Talk-oder Bittererde, Magnesia, ein Bestandtheil des Serpen-tins, des Talks und Bittersalzes, geht mit allen Säuern und k°h-lenstoffsaurem Ammonium, nicht aber mit Kali und Natrum Ver-bindungen ein; 5. Glycin- oder S ü fi e rde ist ein Bestandtheilder Smaragds und Berylls und hat den Namen wegen des süße»Geschmacks ihrer Verbindungen mit Säuern erhalten. Sie verei-nigt sich mit kohlensauren und ätzenden Alkalien; 6. Jttererde,ein Bestandtheil des Ittertantals, vereinigt sich mit kohlensauer»aber nicht mit ätzenden Alkalien. — Was von uns im gemeine»Leben Erde genannt wird und die -Oberfläche unsers Planeten aus-macht, ist ejn Gemisch aus Kiesel und Thonerde, als Kalk, Sal-zen und Resten organischer Körper.
Erd enge (isrliinns), ein schmaler Landstrich, der zwei Länderverbindet und zwei Meere scheidet. ,
Erdferne, (apoxseirm) der entfernteste Standpunkt einesPlaneten von der Erde.
Erdsette, Erdharze, sind fette harzige Materien, die i»der Erde gesunden werden und leicht brennen^ auch einen starke»erstickenden Dampf von sich geben. Sie sind theils flüssig, theilsfest, z. B. Steinöl, Naphtha, Steinkohlen, Bergtorf, Pecherzu. dergl.
Erd gürtet, s. Erdstrich.
Erfahrung in der Arzneikunde. Erfahrung überhauptbedeutet die Summe von solchen Kenntnissen, welche wir zuerst durchSinnesanschaiiiingen erworben, durch Verstand gesichtet und zuBeobachtungen erhoben, oder durch Versuche herausgebracht hat».Die Sinne liefern uns den Stoff zu der Erfahrung; allein enizeMeSinnr.esanschauunge», ohne Verbindung unter einander durch denVerstand, machen noch keine Erfahrung aus. Der Verstand mußerst einzelne Anschauungen unter gewisse Gesichtspunkte ordne»,hieraus Begriffe bilden, Schlüsse ziehen, und auf diese Weiseaus mehreren einzelnen Anschauungen Beobachtungen machen;mehrere Beobachtungen über eine und dieselbe Sache verdiene»,alsdann erst den Namen Erfahrung. Erfahrung in der Arznei-kunst ist folglich die durch gehörige Beobachtungen und Versuche er-langte Fertigkeit, Krankheiten zu erkennen und zu heilen. Dickist eigentlich die echte Erfahrung; sie setzt die historische Kenntnißihres Gegenstandes voraus, weil man ohne diese nicht wüßte, wor-auf man die Aufmerksamkeit zu richten bat: sie setzt ferner Schärstder Sinne, Lebendigkeit des Auffassungsvermögens, BeobachtungS-'geist und jibung des Verstandes im Selbstdenken voraus, Gadeitzwelche nicht jedem verliehen sind, welcher der Erfahrung Wrühmt. Es gibt daher auch neben der echten Erfahrung eine f»>°sche, die das Eigcnthllm Vieler ist. Sie besteht aus einseitige»,unvollkommenen Beobachtungen, aus welchen falsche Schlüsse gezo-gen worden, oder welche ohne das Band des Verstandes nebeneinander gereiht sind. „Die Gelegenheit, vieles zu sehen," sagtZimmermann, ,,macht noch keine Erfahrung, weil das dummeAnschauen einer Sache nichts lehrt, und weil auch die geschickteBeobachtung derselben noch nicht alles ist, was man durch Erfay-rung versteht." Wer nicht weiß, worauf er sehen soll, wer derKunst zu sehen und über das Gesehene zu denken, nicht mächtig e,kann alle Länder der Erde durchreis'! haben, wnd kein einziges den-