Färbestosse Fatum 789
den Freund und Kenner der Mahlerkunst von dem höchsten Inter-esse, so ist es nicht minder für den Psychologen diejenige Abthei-lung desselben, welche von den moralischen Wirkungen der Farbe»handelt / und da- Genie seines Urhebers verherrlicht. Zwei sehrtreffliche Beurtheilungen finden sich in den Ergänzung-blättern zurMaischen Literaturzeitung, Jahrgang igiZ, Nr. z u. ff. S. x.
Färbestoffe, Pigmente, alle zum Färben, Mahlen oberAnstreichen brauchbaren Material«, dergleichen alle Reiche der Na-tur liefern. Blaue Farben geben Jnlüg, Waid, Campechenholz,Berlinerblau; rothe, Cochenille, Krapp, Brasilienholz, Rothholz,Saflor; gelbe, Wau, Gelbholz, Qnerzitronrinde, Scharte, Fü-setholz; schwarz färben Gallapfel, Knappern, Schmach, Cainpe-chenholz mit Eisenvitriol. Die übrigen Farben sind aus den ge-nannten zusammengesetzt.
*Fatum, sagt Minucius Felix, ist nichts anders, als warGott über einen jeden unter uns beschlossen oder ausgesprochenhat. In der Folge verband man damit den Begriff der unver-meidlichen Nothwendigkeit. Alles, was dem Menschen begegnet,kann man sich denken, entweder als unbedingte Nothwendigkeitohne Hinsicht auf göttlichen Rathschluß, oder als bedingte Noth-wendigkeit, vom göttlichen Rathschluß abhängig, oder endlich alsvöllige Zufälligkeit aller Veränderungen oder nur der moralischenWesen. Im Allgemeinen verstanden die alten Philosophen unterdem Fatum im engsten Sinn eine gewisse unvermeidliche Noth-wendigkeit der Ereignisse und Begebenheiten in der Welt , wo-durch sie freilich in di? größten Widersprüche mit ihren eigenenSystemen, mit der Lehre von der menschlichen Freiheit und selbstmit der Natur der G-ttheit verwickelt werden mußten. Es istaber schwer zu bestimmen, ob alle Weltweisen, besonders dieStoiker, in der Bedeutung das Fatum behauptet haben, in wel-cher man sie gewöhnlich desselben beschuldigt. Man unterscheidetgewöhnlich folgende Arten des Fatums: das vernünftige, spenozi-stlsche, astrologische, türkische und stoisch?. Jene unvermeidlicheNothwendigkeit der Begebenheiten hängt nämlich entweder davonab, daß die Welt den Grund ihrer Wirklichkeit in sich selbst hat,sind keine andere Ursache außer sich erkennt (und heißt das spi-vozistische), oder von eknem Wesen, das nicht zur Welt ge-hört, und zwar entweder mittelbarer Weise durch den Einflußder Gestirne, worin freie Wesen nichts ändern können (haS a stro-Chaldäcr), oder unmittelbarer Weise, und zwar^°kr entweder ohne Hinsicht auf gewisse Mitteiursachen, derge-stalt, daß dasjenige, pas einmal beschlossen ist, geschehen müsse,es mögen die Begebenheiten eine Ursache haben oder nicht (das^""ische), oder mit Hinsicht auf gewisse Miftelursachen, undzwar entweder, daß diese Mitteiursachen und ihre Subordinationeinem absoluten Entschluß, worauf das B tragen verständi-rsk Bewegungsgründen gar keinen Einfluß habe, her-
runre (das stoische), oder, daß die Subordination der Ursachenvon einem freien Entschluß dcx Gottheit und objectiv in Hinsichtes freien Betragens vernünftiger Wesen herkomme (das ver-Fatum). Wir begnügen uns, von dem l-tzternvH dies zur Erläuterung hinzusetzen. Der Mensch ist als ein-^"kmvesen physischen Gesetzen unterworfen. Da er nicht Herrr Natur ist, muß er sich ihren Einflüssen auf seine Lage und