7SL Farben der Pflanzn, Farbenlehre
chemische Einwirkung die schon fertige Farbe noch abgeändert wirb. DieSeide muß allemal zuvörderst durch Seife degummirl werden. Baum-wolle bedarf zur Vorbereitung (Entschälung) einer schwachen Potta-schenauflösung; bei der Leinwand wird dasselbe durch die Bleiche erreicht.
Farben der Pflanzen. Man nimmt als Grundfarbefolgende acht an, die man auch reine, ungemischte Farben nennt:weiß, grau, schwarz, blau, grün, gelb, roth, brau». Jedederselben gibt sieben bestimmte Abänderungen, die sich, hinsichtlichihrer Abstufungen, fast durchaus gleich sind, z. B. das Weiß gibt:Rein- oder Schneeweiß, Weißlich oder Schmutzigweiß, Milch- oderBkaulichweiß, Amiant- oder Graulichweiß, Elfenbein- oderGelblichweiß, Porzellan- oder Rdthiichweiß, und Kreide- oderBrännlichweiß. Merkwürdig sind die Verwandlungen der einenFarbe in eine andre. Der blaue Crokus verwandelt sich oft ingelben, das blaue Veilchen oft in ein weißes, das blaue Akeley inein rothes, die rothe Tulpe in eine gelbe, und die gelbe in eineweiße u. s. w. Ein gleiches läßt sich an Früchten beobachte».Linus hat von den Farben der Pflanzen auf ihre Eigenschaften,besonders auf ihren Geschmack, geschlossen. Gelb verräth nach ihmeinen bittern, Roth einen sauern. Grün einen rohen alkalischen,Blaß einen faden, Weiß einen süßen und Schwarz einen ekelhaf-ten und unangenehmen Geschmack, und überdies noch eine verderb-liche, ja tödtende Eigenschaft.
*Farben lehre, gothische. Am Aahr rzro gab Gölteein neues Werk über die Farben, unter dem Titel: Zuk Kor-ben lehre, heraus, welches das ästhetische Genie seines Verfas-sers beurkundet. Es besteht aus zwei Theilen, einem theonti-schen, meistens polemischen Inhalts, und einem historischen, voll !schätzbarer Notizen. An jenem verwirft Göthe Newtons Theorievon den Farben, und kehrt zur alten Vorstellung wieder zurück,nach welcher die Farbe» durch Mischung des Lichts und der Fin-sterniß, oder wie er es ausdrückt, durch Mischung trüber und hel-ler Mittel entstehen. Nach ihm ist das Sonnenlicht und in Le-benslust brennender Phosphor das höchst energische Mittel.
Es ist farblos, wie die Finsterniß, aber durch ein trübes Mittelgesehen, wird es gelb, und nähert sich desto mehr dem rothe»,je trüber jenes ist. Wird dagegen die Finsterniß durch ein helle-Mittel gesehen, so wird sie blau, z. B. wenn wir zum wolkc»-losen Himmel schauen, so sehen wir in die Finsterniß, weil aberain Tage das helle Mittel des Sonnenlichts dazwischen ist, iv er-scheint jener blau. Sieht man das blaue wieder durch ein helle»Mittel, so erscheint cS grün. — Diese Theorie beruht meistensauf Gründen, welche aus den Erscheinungen genommen sind, o>e»ewlonische dagegen auf mathematischen Gesetzen, und in ihr malles nach Maß und Zahl bestimmt. Wiewohl daher der Gdthl-schel» bis jetzt noch kein Physiker Beifall gegeben hat, so findetman dagegen in' diesem Werke das wahre Princip der Harmonieder Farben aufgestellt, und einen schätzbaren Reichthum an Be-merkungen und Andeutungen, welche fruchtbare Keime künftigerUntersuchungen enthalten. Den Grund der angenehmen und unan-genehmen Eindrücke der Farben findet Göthe in dem wechselseiti-gen Gefordertseyn der verschleimen Farben im Auge bei orn-lenigen Erscheinungen, worin sich die p-msiologischen Farben zel-gen. Ast der ästhetische Theil dieses Werks insbesondre i»r