Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
909
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Gryph 9»A

»s^t seyn möchte, diese und jene Verirrungm zu tadeln, läßt sicherwarten, allein sowohl hier als überhaupt, wo sich seine Arbeiter»demjenigen nähern, was man Satire nennen könnte, ist er nichtglücklich. Die beschränkten Handelsreisen, die der kurzsinnigeMensch bewußtlos mit Selbstgefälligkeit ausübt, darzusteürn> istsein großes Talent. Hat man nun einen so wackern Bürger'Mitleidlicher Bequemlichkeit, jbald in, bald vor seinem Hause, aufMärkten, aufPlätzen, auf dem Rathhause immer heiter und spaßhaftgesehen, so ist es merkwürdig, wie er in schlimmen Tagen sich ingleichem Humor erhält, und über die außerordentlichen Übel,' sowie über die gemeineren, sich erhaben fühlt. Ohne daß sein- Styleinen HLHern Schwung nähme, stellt er den bürgerlichen Zustandwährend der Theuerung, anhaltenden Frostes, Überschwemmung,ja während rineS Krieges vor; selbst Spaltung der Meinungen,dieser fürchterliche innere Kriegs gibt ihm Gelegenheit zu heiteren,treffenden Schilderungen. Sein Dialekt hat zwar etwas unange-nehme«, breites, ist aber doch seiner Dichtart sehr günstig. SeineSylbenmaaße sind ziemlich variirt; und wenn er dem einmal ange-gebenen auch durch ein ganzes Gedicht nicht pMg treu bleibt, s»wacht es doch bei dem Ton der ganzen Dichtart keinen Mißklann.

Gryph (Andreas), warben Uten October 1616 zu Groß-glogau in Schlesien geboren , verlor seinen Vater noch vor seinemfünften Jahre, und 1628 auch seine Mutter. Ostern 1631 ging er"nach GLrlitz, hier die öffentliche Schule zu besuchen. Wegen desKriegs aber kehrte er nach Rickerdorf zu seinem Bruder Paul zu-rück und von da auf die Schule nach Glogau. Auch von hier ver-trieb ihn der Krieg. Er kam auf die Schule nach Fraustadt, woder berühmte Rector Jacob Rollius seine Studien neu belebte, undging i« Mai 16.34 nach Danzig. Nach vollendeten akademischen Jah-ren, in denen er sich eine gründliche Kenntniß der Pechtswiffenschafterwarb, kehrte er 1636 wieder nach Hause zurück, und wurdeHauslehrer, mußte aber wegen eines Gedichts, worin er die Lei-ben seines Vaterlandes schilderte, sich entfernen. Nach zehnjähri-ge» Steifen in Holland, England, Frankreich Und Italien, aufwelchen er die Bekanntschaft der merkwürdigsten Gelehrten machte,kehrte er endlich in sein Vaterland und nach Fravstadt zurück.Mehrere Antrage zu akademischen Lehrstellen lehnte er ab, weil°r seinem Vaterlands dienen wollt«. Hieraus wurde er auch 1647Landsyndicus des Fürstenthums Glogau. Im Jahr 1662 ward erMitglied der fruchtbringenden Gesellschaft, in welcher er derunsterbliche hieß.. Der kaiserliche Pfalzgraf- Georg Schönbor-der, der ihn schon 1637 zum Dichter gekrönt hatte, ertheilte ihmauf seine» Reisen auch den Adelsbrief, von dem aber weder erselbst, noch seine Familie jemals Gebrauch gemacht hat. Er starbden röten Juli 1664 mitten in einer Versammlung der Landständevon» Schlage getroffen. In der Geschichte der vaterländischen Poe-sie verdient Gryphius als Vater des deutschen Drama'S der eh-renvollsten Erwähnung. Zu einer Zeit, wo wir außer den Fast-nachtsspielen und den Stücken der Meistersänger nur die geistli-ch*» Trauerspiele des Johann Clajus und die Dill» eines Unge-nannten besaßen, trat Gryph, der die Alten, so wie die Naturund da« menschliche Herz kannte, mit Trauerspielen auf, die weir«der das Vorhandene in edler und würdevoller Sprache, in rc-»«mäßiger Anordnung des gut gewählte» Stoffs Und richtigst