Medicin Ipi9
rismus, erscheint auch die Verstandesansicht der Medicin unter dreiGestalten; an, reinsten jedoch in dem Dogmatismus. Irgendein abstractec Begriff, er mag nun durch wirklich« Beobachtungund Abstraktion von derselben gewonnen seyn, oder er mag bloßhypothetisch vorausgesetzt werde», irgend ein Abstraetum wird alsPrincip hingestellt, damit von demselben die einzelnen Erscheinun-gen abgc>elrel, und aus demselben wie man sagt, erklärt werden.So entstanden die Systeme der Medicin, hie steh vervielfältigten,weil verschiedene Begriffe so gehandhabt werden können, und vondenen doch eins das andere auszuschließen und zu verdrängen be-strebt ist, weil der Verstand es nicht begreifen kann, wie sie ne-ben einander bestehen könne», und die endlich in ihrer Trennungdadurch möglich wurden, weil die eiacntbümliche Natur des Or-ganismus, die Verwechselung' der Ursache mir der Wirkung so lerchtzuläßt. So wie aber die Erscheinungen auf die dree Classen derMechanischen, chemischen und dynamischen reducirt werden, so zer-fallen auch die ärztlichen Systeme in mechanische, chemischeund dynamische. — Die mechanische Ansicht des Organismusbildete sich am reinsten, aber auch am einseitigsten in dem Syste-me der Jatromathcmatiker aus, welches durch Harveys gro-ße Entdeckung und durch Descartes Philosophie veranlaßt wurde,pnd von Kcill, Sauvages, Bernoulli, Hamberger u. a. bearbeitetwurde. Diese suchten durch mathematische Berechnungen und durchdie äußere Gestalt der Organe die gesunden und krank n Functio-Nen zu erklären. Auch in der Solidarthcorie, als welche alle Le-benserscheinungsn in die festen Theile verwüst und die Säfte fürden Organismus nur als etwas äußeres hinstellt, herrscht die me-chanische Ansicht noch vor; wenn auch von den Golidarthecretikernzum Theil andere Principien zu Hülle genommen wurden. Unterden festen Theilen sollten es endlich die Nerve» vorzüglich seyn,die alle Lebcnserscheiuungen bewirken, doch schließt sich die daraus^ hervorgehende Ncrventheorie schon an die dynamische Ansicht desOrganism an. Dieser zufolge sind es Kräfte, zu denen mannicht selten die Eigenschaften der Materie erhob, und unter wel-chen man diese oder jene Äußerung des Lebens als Ursache gedacht,verstand; Kräfte sind es, die alle Lebenserscheinmigen hervorbrin-Sen. Galen, noch mehr aber die Galeniker nahmen beinahe soviel Kräfte an, als es Fnnctionen gibt, und diese wurden end-lich von einer Lebenskraft abgeleitet, die alle Veränderungenhedingen sollte. — Bald war es auch die Seele, die alles im Kör-per hervorbringe, bald eiu räthsclhaftes Wesen, Archeus gesaunt,das die Stelle der später aufgestellten Lebenskraft einnahm. In! der größten Reinheit und Konsequenz, aber auch in der unbefrie-digendsten Einseitigkeit wurde endlich von I Brown in den neue-sten Zeiten diese dynamische Ansicht des Organism durchgeführt.
allen auf solchem Grunde gebauten Systemen aber blieb dasKörperliche des Organism unberührt. Nachdem in den neuestenZeiten die Chemie große Fortschritte gemacht hatte, so suchte man> °use zu benutzen, um die Mischung des Körpers zu erklären. Dochauch schon früher hatte die Beobachtung gezeigt, daß der Orga-vlsm aus verschiednen Stoffen zusammengesetzt ssy, und manchevon ihnen waren' auch als hypothetische Ursachen aller Erscheinun-Akn von ihm aufgestellt worden. Da nun abex alle Mischung inbei» flüssigen Zustande vor sich geht, so räumten die Jatrochcmiker