Band 
Supplementbald zum Conversations-Lexicon.
Seite
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Nationalrcichchum Naüonalkhuld 1099

selben Verhältniß, als dies« Wissenschaft unter uns rasche Fort-schritte machk, dre Regierungen sich von deren Grundsätzen zu ent-fernen scheinen, ihre Vorschriften gleichsam nur ausnabmswcisebefolgen und hochwichtige Wahrheiten derselben oft gänzlich unbe-achtet lassen. Betrachtet man insbesondere die Fesseln und Hin-dernisse, welche unweise Gesetzgebungen so häufig der freien An-wendung des Fleißes und der freien Benutzung des Capitals derNationen in den Weg legen, so darf man sich weniger wundernüber die niedrige Stufe, "worauf wir in unsern Lagen fast alleZweige der Werthschafsung (Prsductlvn) erblicken, als vielmehrüber die Höhe, welche manche derselben trotz jenen widrigen Verhält-nissen bin und wieder wirklich erreicht haben. Nicht befremdenaber kann es zugleich, daß in Ländern, wo dergleichen Hemmnisseund Schranken unbekannt sind, wie z. B. im freien Amerika, dieNation mit raschen Schritten dem Wohlstände und Reichthum zu-eilt. Die Hauptursachc jener Erscheinung ist ohne Zweifel in dergeringen Verbreitung gründlicher wissenschaftlicher Kenntnisse unterden Geschäftsmännern neuerer Zeit zu suchen, und diese Ursachemuß fortfahren, Unheil zu verbreiten und die schönsten Entdeckun-gen der Lhtoric großentheils fruchtlos zu machen, so lange vonSeiten der Regierungen noch so wenig Bedacht darauf genommenwird, daß Alle, welchen der hohe Beruf zu Theil werden soll,über Gewerbe und Handel, über öffentliche Leistungen, Industrie,und Wohlstand des Volks die Aufsicht zu führen und Verfügungenzu treffen, mit theoretischen Kenntnissen gehörig ausgestaltet undin die Grundsätze der Nationalökonomie eingeweiht sind. Auch ver-dient bemerkt und gerügt zu werden, daß diese erhabene Wissen-schaft noch zur Zeit nur auf wenigen Akademien Deutschlandszweckmäßig, auf manchen selbst gar nicht, gelehrt und vorgetra-gen wird. So lange die Regierungen fortfahren, hierin ihre Pflichtzu versäumen, darf es Niemand Wunder nehmen, wenn er sohäufig die öffentliche Geschäftsführung den Vorschriften der Theoriegeradezu entgegen handeln, der Nationalökonomie heiligste Gesetzemit Füßen treten, und blende Routine und Schlendrian frechüber Vernunft und Wissenschaft das Haupt erheben sieht. kikel.

Na t i o n a Ir ei ch t h u m s. R a t i o n a l c api ta l.

Rationalschuld ist unterschieden von Staatsschuld.Wenn das von der Regierung auf Zinsen oder auf Werthzcichen(Papiergeld) geborgte Capital durch den Credit des Staats unmit-telbar gesichert wird, d. h. durch das Vermögen der Reqflrung,ausdrücklich '(mittelst eingesetzten Pfandes von Einkünften oderStaatsgütern oder stillschweigend durch da« Vertrauen der öffent-lichen Meinung auf dies Worthalten der Regierung und auf dieWeisheit ihrer Finanzvcrwaltung),. so nennt man es Staats-schuld. Wird aber das von der Regierung ausgeborgte Capitaldurch das Nationalvermögen gesichert, ausdrücklich mittelst bestimm-ter Abgaben zur Deckung der Zinsen, oder stillschweigend, mittelstdes Vertrauens der öffentlichen Meinung auf denWerth derStaats«Papiere im Handel (in England Stocks), so heißt es Natisnal-^!>uld. Auch versteht man unter letzterem'Ausdrucke die von denStänden genehmigten und verbürgten oder übernommene» Schul-den der Regierung, und nennt fie daher L a n d c Ssch uld c n. EineNationalschuld im eigentlichen Sinne des Worts, die von der Re-gierung für die Ration, und mit Einwilligung der Nation ge-