Buch 
Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
Entstehung
Seite
2
JPEG-Download
 

2

EINLEITUNG.

scheinbare Bewegung der Sonne und des Mondes innerhalb desselbenmusste bald zu einer Kenntniss der Zeitrechnung führen. Dochwelcher grosse Zeitraum trennt jene Anfänge der Beobachtungenund der durch dieselben hervorgegangenen Kenntniss von der An-zahl der dem freien Auge sichtbaren Planeten und der Periodeihres Laufes bis zum Auftreten des Hypparchs aus Samos, derdie Sternkunde zur Wissenschaft erhob? Er unternahm es, zuerstdie Zahl der Sterne zu verzeichnen und die Entfernung der Sonneund des Mondes zu bestimmen; seine mühevollen, wissenschaftlichenArbeiten, die er der Nachwelt als ein unschätzbares Erbe liinter-liess, zeugen von einer bewundernswürdigen Ausdauer und seltenenBeharrlichkeit. Gleichsam als hätte er nicht seine Entdeckungenzu weiteren Forschungen benutzt, sollte esPtolomäus aus Alexan-drien bescliieden sein, alles Frühere zu ordnen und in ein Systemzu bringen, das Jahrtausende hindurch sich behaupten sollte. Wieanstrengend und zeitraubend müssen die damaligen Beobachtungenund Berechnungen dieser grossen Männer gewesen sein, da sowohlihre Instrumente, die sogenannten Armillen und das Torquetrum,keine grosse Genauigkeit erreichen konnten, auch entfernten sichdie Beobachtungen mit freiem Auge bedeutend von der Wahrheit.Sie ahnten wohl damals nicht, dass einst nach Verlauf einer langenZeit durch Zufall oder mit Hilfe der Wissenschaft ein Sehrohr er-funden werden sollte, das uns die Räume des Himmels näher führtund unsere Sehkraft bedeutend verstärkt. Wiederum musstennach diesen seltenen Himmelsforschern viele Jahrhunderte ver-üiessen, bis ein scharfsinniger Mann, Nicolaus Copernicus, auf-trat, der gleichsam, als hätte ihm eine höhere Gabe, wie dieselbenur reinen, edlen Seelen zu Theil wird, den prophetischen Seher-blick verliehen, die Bewegung der Himmelskörper, die bis dahinNiemand genügend ergründen konnte, deutlich zu erkennen. Aucher hatte bei seinen Beobachtungen mit Hindernissen aller Art zukämpfen, denn nicht bloss erlaubten seine Instrumente keine ge-nauen Beobachtungen, sondern es wurde ihm auch schwer, amneblichten Gestade des kurischen Haffs die Gestirne zu beobachten;denn ungeachtet aller angewandten Mühe sah er niemals den Pla-neten Mercur, weshalb er noch auf seinem Krankenlager vor demTode dieses Misslingen bitter beklagt haben soll! Hätte diesergrosse Mann schon damals mit einem Fernrohre beobachtet, wieoft würde er Gelegenheit gefunden haben, bei Tage denjenigenPlaneten zu sehen, den er in den Morgen- oder Abendstunden nieauffinden konnte. Bald nachdem Copernicus bei seinem Ab-leben den Nachkommen sein neues System als Erinnerung an