ERFINDUNG DES FERNROHRS.
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Sobald als die Erfindung des Fernrohres gegen das Ende desJahres 1609 bekannt wurde, machte man verschiedene Versuche,dieselbe als eine uralte Erfindung zu bezeichnen, denn die Griechenund Römer sollten sie schon gekannt haben. Die blinden Verehrerdes Alterthums, namentlich Paschin und Dutens, glaubten, dassfrüher schon vieles bekannt war, was man jetzt für neu hält. Esfanden sich andere, wie Charles Lainotte, die sogar behaupteten,die Druiden hätten schon Fernröhre gehabt, ohne dasselbe besonderszu beweisen. Einer dieser Schriftsteller ging in seinen Behaup-tungen hierin so weit, dass er berichtete, der Teufel hatte ein Te-leskop bei sich, als er dem Heilande vom Berge herab alle Wunder,die Reichthümer der Welt und sonstige Herrlichkeiten zeigte.
Der eigentliche Erfinder des schönen Sehrohrs ist und bleibteigentlich unbekannt, da mehrere sich für solche ausgaben. DurchZeugnisse des Magistrats von Middelburg in Seeland wird es alserwiesen erachtet, dass ein Brillenmacher und Glasschleifer daselbst,Johann Johnsen, entweder durch sein eigenes Nachdenken oderdurch das Spiel seiner Kinder bereits im Jahre 1590 diese Erfindunggemacht hat. Von diesen letzteren wird berichtet, sie hätten meh-rere Gläser, die ihr Vater verfertigt hatte, eins vor das anderegehalten und auf diese Weise einen in der Nähe stehenden Thurmauf einmal sehr gross vor sich wahrgenommen. Man habe aberdieses geheim halten wollen, weshalb der Prinz Moriz dem vorhingenannten Brillenmacher eine Summe Geldes soll überwiesen haben.Wie es sehr oft geschieht, dass bei einer wichtigen Entdeckungoder Erfindung andere für sich dieselbe beanspruchen, so geschähees auch in jener Zeit, denn mehrere, wie Johann Baptist Porta,sowie Lippersheim, Jacob Metius, Zacharias Jahnsen undCornelius Drebbel, hielten sich für die Erfinder, vielleicht sindauch Johann und Zacharias Jahnsen nur Verwechselungen desVornamens und bezeichnen den eigentlichen Erfinder. Drebbelsoll am wenigsten hierauf Ansprüche haben, denn Adelung inseiner „Geschichte der menschlichen Narrheit“, Theil II, S. 125,sucht dieses zu beweisen und bemerkt Seite 148 derselben Schrift,dass jener Cornelius v. Drebbel nach seinem Tode ein Paar un-bedeutende Schriftchen hinterliess, welche durch ihren Styl denungelehrten Charlatan verriethen. Auch machte man demselbendie Erfindung des Barometers und Thermometers streitig, die ihmbis jetzt noch zugeschrieben wird.
Sehr oft verwechselt man indess die Erfindung des Fernrohrsmit derjenigen der Vergrösserungs- und Brillengläser, denn dieseletzteren waren schon im Jahre 1166 allgemein gebräuchlich und