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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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ERFINDUNG DES FERNROHRS,

ein deutscher Minnesänger berichtet, dass man dieselben zum Ge-brauch auf die Nase setzte. In der Mitte des zwölften Jahrhundertswaren die Vergrösserungsgläser in Constantinopel schon bekannt,namentlich bedienten sich die Aerzte derselben zur Besichtigungäusserlicher Krankheiten bei ihren Patienten. Wenn also diefrüher erwähnten Lobredner der Alten die Fernröhre als eine alteErfindung bezeichnen, so verwechseln sie offenbar die im Alter-thume bereits bekannten Vergrösserungsgläser und Brennspiegelmit derselben. Schon Seneca theilt hierüber in seinen Natural.Quaest. Lib. I. Mehreres mit, indem er unter anderm sagt:Aepfel, die man durch ein solches Glas betrachtet, erscheinen vielgrösser. Die einzelnen Säulen einer Vorhalle (porticus) stehen inviel grösseren Zwischenräumen von einander. Die Buchstaben,obgleich sie klein und dunkel sind, zeigen sich durch eine Glas-flasche, die voll Wasser ist, grösser und heller. Die Aepfel er-scheinenschöner, wenn sie in dem Wasser jener Flasche schwimmen.Durch eine Wolke gesehen erscheinen die Sterne weiter aus ein-ander. Jede Sache, die man durch eine Flüssigkeit betrachtet,stellt sich grösser als die wirkliche dar. Ist es dennoch zu be-wundern, dass man das Bild der Sonne vergrössert sehen könne,wenn es in einer Wolke erscheint, da auch diese aus Flüssigkeitenbesteht? Weil in der Wolke sich etwas dem Glase Aehnliches be-findet, welches das Vermögen der Durchsichtigkeit besitzt, so ist

auch etwas Wasser darin.. Plinius beschreibt in

seiner Naturgeschichte (I, Libr. 36, 37) ebenfalls Krystall- oderGlaskugeln, welche die Kleider verbrennen, wenn dieselben denSonnenstrahlen ausgesetzt werden. Der im Anfänge des viertenJahrhunderts lebende Lactantius, von dem Copernicus in derVorrede seines unsterblichen Werkes spricht, sagt in seiner Ab-handlung de ira Dei unter Anderm, dass eine Glaskugel mit Wasserangefüllt und den Sonnenstrahlen ausgesetzt Feuer anzünde unddieses sogar bei der grössten Kälte.

Aber noch früher als die Vergrösserungsgläser waren schonim Alterthum die Hohl- oder Vergrösserungsspiegel bekannt, na-mentlich findet man hierüber Erwähnungen, die sich bereits bisauf des römischen Kaisers Augustus Zeiten beziehen, denn imSeneca findet sich ebenfalls eine hierauf Bezug habende Stelle. Inseinem bereits früher schon erwähnten Werke Nat. Quaest. Libr. I,Cap. 16 spricht er von dem berüchtigten Hostius und sagt:Fe-citque specula ejus notae, cujus modo retuliimagineslongemajoresreddentia, in quibus digitus bracliii mensuram et longitudine etcrassitudine excederet.