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VERVOLLKOMMNUNG DES FERNROHRS.
Während man anderweitig mit Schwierigkeiten zu kämpfenhatte, grosse Linsen von reinem, völlig untadelhaftem Flintglaseherzustellen, dachte man auf andere Mittel, um diesen Uebelstandzu beseitigen. Man versuchte statt des Bleies, welches zur Bei-mischung jener Glasmasse angewendet wird, Wismuth, Baryt, Zinkund andere Bestandtheile anzuwenden, wodurch ein anderesBrechungsverhältniss als beim Flintglase erhalten wird. Würdeman eine Glasart entdecken, die ein grösseres Verhältniss in derBrechung der Lichtstrahlen als jenes besässe, so könnte man nachden Untersuchungen, die J. J. v. Littrow im Jahre 1827 anstellte,eine andere Objectivconstruction bewerkstelligen.
Die beiden Linsen, wie die der achromatischen Objective,würden nicht mehr nahe an einander, sondern getrennt werdenmüssen, um das hellste und schärfste Bild hervorzubringen. Diezweite Linse käme nahe in die Mitte des Fernrohrs und es könntedann ihr Durchmesser bedeutend kleiner als derjenige der erstenvon Crownglas sein, wodurch es also möglich würde, eher untadel-liaftes reines Glas herzustellpn. Die von Littrow vorgeschlageneGlasart, welche das vorhin genannte Brechverhältniss besitzenmüsste, ist bis jetzt noch immer nicht erfunden, deshalb versuchtePlössl in Wien eine besondere Doppellinse aus Crown- undFlintglas zu construiren, die nach dem nöthigen Verhältniss dieLichtstrahlen bricht. Seine Bemühungen waren vom glänzendstenErfolge, denn er verfertigte nach diesem Verfahren Fernröhre, diewegen der Trennung der Linsen des achromatischen Objectivs dialy-tische genannt wurden, welche in mancher Hinsicht den achroma-tischen vorzuziehen sind. Die Länge des Instruments wird durchdiese neue Einrichtung um mehr als die Hälfte verkleinert, dieHerstellung der zweiten Linse ist mit weniger Schwierigkeiten ver-bunden und das Bild erscheint unter schärferen Umrissen undgrösserer Präcision, indem die Lichtstrahlen durch diese soebenerwähnte Linse des Objectivs sich unter grösseren Winkeln als beiden achromatischen Fernrohren vereinigen. Ein zweiter optischerKünstler in Wien, Petzval, hat ebenfalls mehrere Objective nacheiner neuen Construction verfertigt, die unstreitig später einegrössere Verbreitung finden werden.
Während die achromatischen Fernröhre immer mehr undmehr vervollkommne!; wurden, versuchten es einige Künstler, denfrüher rnitgetheilten Vorschlag E u 1 e r ’ s, Flüssigkeiten in zusammen-gelegten Gläsern von convexen oder concaven Flächen einzu-schliessen und diese neue Linse statt der des Flintglases bei achro-matischen Objectiven anzuwenden. Diese optischen Werkzeuge