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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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VERVOLLKOMMNUNG DES FERNROHRS,

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Reichenbach das mechanische Institut. Alle besseren Stern-warten Europas hatten diesen Künstlern ihre Aufträge übergehen,die beide Institute auch mit gleichem Erfolge ausführten, so dassbis zum Tode Reichenbachs, dem Fraunhofer einigeTage später nachfolgte, die Münchener astronomischen Instituteeinen seltenen europäischen Ruf erlangt hatten. Wenige Jahrewaren für Fraunhofer genügend, um die gesammte praktischeOptik auf eine nie geahnte Stufe der Vollkommenheit zu erheben,wodurch er sein grosses Talent als Künstler beurkundete, aberauch als Gelehrter lieferte er schätzbare Arbeiten auf dem wissen-schaftlichen Gebiete, die ihm einen seltenen Ruf verschafften. Seinevon Natur schwächliche Körperconstitution gestattete ihm nur einekurze Laufbahn, die indess höchst erfolgreich war. Als er imJahre 1824 den grossen Dorpater Refractor abgeliefert hatte, be-mühte er sich mit neuen Erfindungen, deren Anstrengungen er zweiJahre später unterlag. Er starb als bairischer Akademiker den7. Juni 1826 in München. Der Grabstein, der die irdischen Ueber-reste dieses seltenen Mannes deckt, erhält in erhabener Arbeit eineAbbildung des Dorpater Refractors mit der schönen Inschrift:Sidera aproximavit.

Seine Bereitung des Flintglases wird noch bis jetzt als grossesGeheimniss betrachtet und es ist Niemandem gelungen es zu er-gründen, da kein Stück aus der Werkstätte in rohem Zustandeentfernt werden darf. Das früher von Guinaud und Anderen, diedas ehemalige Verfahren kannten, hergestellte Glas erreicht wederdie Grösse des vom berühmten Fraunhofer verfertigten, noch dieGüte desselben, und obgleich mehrere Chemiker sich bemühten,die Bestandtheile davon zu erforschen, so haben ihre Bemühungendoch zu keinem Resultate geführt.

Die Münchener Künstlerwerkstätte für Optik und Mechanikwurde nach dem Tode der vorhin genannten Männer von Merzund Ertel fortgesetzt, von denen der erste das optische, der anderedas mechanische Institut übernahm. Im Sinne ihrer Vorgängervervollkommneten sie alle Constructionen der astronomischen In-strumente, sie lieferten endlich Objective von 20 und mehreren Zollenim Durchmesser, während Fraunh ofer nicht über 9 Zoll gekommenwar. Ebenso finden sich gegenwärtig beinahe auf allen Stern-warten Instrumente, hervorgegangen aus Ertels mechanischerWerkstätte, denn die sorgfältigste Ausführung aller Theile einesjeden Instruments besitzt jetzt eine solche Vervollkommnung, dievon anderen Concurrenten in diesem Fache schwer zu er-reichen ist.