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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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VERVOLLKOMMNUNG DES FERNROHRS.

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Hervorbringung des brauchbarsten Metalls zum Gusse des grossenSpiegels angestellt, die endlich als beste Composition 126 TheileKupfer auf 57y 2 Theile englischen Zinn ergeben. Das ganze Ge-wicht dieses seltenen optischen Werkzeuges ist jedoch ausser-ordentlich, denn es beträgt zusammen mit den Unterlagen16 284 Kilo.

Obgleich es scheint, als wenn diese ungeheure Masse desTeleskops schwer zu regieren sei, so kann dennoch dasselbe, auchwenn es in der geringsten Höhe sich befindet, bis zum Zenith ver-mittelst einer Winde, die von zwei Personen gedreht wird, gehobenwerden; ist der Ort des zu beobachtenden Gestirns am Himmelbekannt, so genügen 8 Minuten, um dasselbe im Gesichtsfelde desInstrumentes wahrzunehmen. Zur Beobachtung begiebt sich derAstronom auf eine der vier Gallerien, die am Teleskope ange-bracht sind und einen bequemen Aufenthaltsort gewähren.

Das beste Prüfungsmittel der Teleskope besteht bekanntlichdarin, dass man sie entweder auf Nebelflecke, Sterngruppen oderDoppelsterne, die bereits von anderen Astronomen beobachtet undbeschrieben sind, richtet. Auch bei diesem seltenen Reflectorgebrauchte man dasselbe Verfahren, man wendete ihn zuerst aufdie Beobachtung von Nebelflecken an, die Wirkung desselben waraber gleich beim ersten Versuche so überraschend, dass die herr-lichsten Entdeckungen in Aussicht standen. Die meisten derNebelflecken, die andere Beobachter auch mit grösseren In-strumenten nur als solche sahen, lösten sich in Sterne auf, undzwar in die schönsten Sterngruppen, so dass man von Lord Rossebehaupten kann, dass sein irdisches Auge zuerst unter allen Men-schen diese Sterne gesehen hat. Es war von wissenschaftlichemInteresse, dieselben Nebelflecke durch ausgezeichnete, achro-matische Fernröhre zu beobachten, doch verhielten sich die ge-sehenen Eindrücke, welche die beiden Instrumente im Vergleichauf die Beobachter ausübten, wie der Glanz der Venus zu demScheine des Saturns. Auf eine bewundernswerthe Art wurden so-gleich einige dieser Flecken, namentlich der ringförmige in denJagdhunden, sowie ein zweiter von diesem nicht weit entfernterin Sterne aufgelöst. Fortgesetzte Beobachtungen der Nebelfleckenzeigten nahe an dreissig derselben als Sterngruppen, weshalb die-selben aus den diesem Gegenstände gewidmeten Kataloge zu ent-fernen sind, da sie nur durch die schwächeren Teleskope als solchewahrgenommen wurden. Ein zweites Prüfungsmittel dieses Riesen-teleskops bestand in der Anwendung desselben auf die Beobach-tung der Sterne erster Grösse, denn oft lösten die besseren Tele-