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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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DIE NEBENPLANETEN.

Cassini später hergeleiteten gut übereinstimmten. Dagegenberechnete auch Marius Tafeln dieser Monde, die sehr bald un-brauchbar wurden, denn sie wichen nach einiger Zeit bedeutendvon den Beobachtungen ab. Da die Lage der vier Monde mit derEkliptik oder der Erdbahn eine sehr geringe Neigung bildet, sowerden die drei ersten bei jedem Umlaufe verfinstert, während dervierte oft über die Scheibe des Jupiters vorübergeht.

Die Vorübergänge der Satelliten sind sehr sorgfältig beob-achtet worden, denn während dieser Zeit wirft der Mond seineneigenen Schattenkegel auf die Oberfläche des Jupiters und ver-dunkelt einen kleinen Th eil der vom Sonnenlichte beleuchtetenScheibe, auf der man von der Erde aus den Schatten als einenrunden Flecken wahrnimmt. Aber man sieht noch einen zweiten,eben so grossen grauen Flecken auf derselben, der dem vorhererwähnten vorausgeht, wenn dieser Vorübergang vor der Oppo-sition des Jupiters stattfindet, oder er folgt ihm, wenn diese Er-scheinung nacli der Opposition sich ereignet. Mit sehr gutenlichtstarken Fernrohren sieht man dann einen solchen Mond bis-weilen als einen dunkeln, nicht mehr runden, sondern unregel-mässig begrenzten grauen Flecken, der beträchtlich kleiner alsder seines Schattens ist. Harding und Schröter schlossen dar-aus, dass diese Monde zuweilen auf ihrer Oberfläche oder in ihrerAtmosphäre sehr grosse und dunkele Stellen haben müssen; diestarke Beleuchtung des Jupiters, der sein Licht auf einen dieserMonde wirft, kann aber auch hierin seinen Einfluss äussern, dassdie Conturen undeutlich werden; denn es ist anzunehmen, dassdieses Licht von einigen Stellen am Umkreise des kleinen Mondesmehr, von anderen dagegen weniger reflectirt wird.

Herschel überreichte im Jahre 1797 der Königlichen Gesell-schaft zu London eine Abhandlung, welche die Resultate der zahl-reichen Beobachtungen enthielt, die er über die Intensität desLichtes und die verhältnissmässige Grösse der Jupitersatellitenangestellt hatte. Das Hauptergebnis dieser Untersuchung war,dass die erwähnte Intensität der Satelliten sehr veränderlich istund dass auch die scheinbare Grösse derselben sich nicht immergleichbleibt. Der berühmte Astronom wurde hierdurch zu derUeberzeugung geleitet, dass die veränderlichen Grössen, sowie diesich nicht gleichbleibende Intensität ihres Lichtes ihren Grund inder physischen Beschaffenheit dieser Weltkörper haben müsse. Erbewies auf eine überraschende Weise, dass diese Monde auf ihrerOberfläche mit Flecken besäet seien, die mehr oder weniger dasLicht reflectiren und dass sie sich um sich selbst bewegen. Es