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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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70
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70 MOND DER VENUS.

wiederzusehen. Aus diesen Beobachtungen zog Cassini denSchluss,

dass der neu entdeckte Mond der Venus selten Lichtgenug zurückwerfen müsse, damit man ihn sehenkönne.

Lambert macht hierzu die Bemerkung:Man sieht auch inder That keine Nothwendigkeit ein, warum alle Planeten undSatelliten glänzend hell sein oder beständig mit vollem Lichteleuchten müssten. Giebt es doch Fixsterne, die nur zuweilen sicht-bar sind. Der dritte Entdecker, Short, stellte 1740 eine sehrgenaue Distanz- und Positionswinkelmessung dieses Mondes an,demnach ist seine Beobachtung sehr schätzbar; auch sah er dieseErscheinung eine längere Zeit hindurch als die früher genanntenAstronomen. Es waren bis jetzt nur einzelne Beobachtungendieses fraglichen Mondes angestellt worden, deshalb konnte manaus ihnen keine Bahnbestimmung herleiten. Montaigne beob-achtete denselben dagegen im Jahre 1761 viermal und seine Wahr-nehmungen dienten dazu, um etwas mehr von der Bewegung undder Bahn dieses Mondes zu erfahren. Der französische GelehrteBaudouin las darüber eine Abhandlung bei der Akademie derWissenschaften zu Paris, die sehr bald durch den Druck veröffent-licht wurde, aber auch in Berlin versäumte man nicht, dieselbeins Deutsche zu übersetzen, sie erschien unter dem Titel: Derneue Venusmond.

Da namentlich der Vorübergang der Venus vor der Sonnen-scheibe in demselben Jahre erwartet wurde, so legte man sich dieFrage vor, ob man diesen Mond vor, während oder nach jenerseltenen Erscheinung auf der Sonnenscheibe wahrnehmen würde.Die drei ersten Beobachtungen Montaignes schienen dieses ver-muthen zu lassen, die vierte Beobachtung dagegen widersprachden Erwartungen. Während des Vorüberganges suchten mehrereAstronomen den vermeintlichen Begleiter, ohne ihn jedoch zu ent-decken. Die Beobachtungen dieses Satelliten vom Jahre 1764, dievon sechs Beobachtern angestellt wurden, beliefen sich bis aufsieben nach einander folgenden Wahrnehmungen und Hessen sichdurch eine periodische Umlaufszeit von 9, 10 bis 12 Tagen mitdenen des Montaigne von 1761 vereinigen, vorausgesetzt, dassman die Ungleichheiten im wahren und scheinbaren Laufe diesesWeltkörpers nicht berücksichtigt. Die aus den BeobachtungenMontaignes von Baudouin hergeleitete Umlaufszeit konnteauch nur auf eine solche Weise geschehen, dass man jene Un-gleichheiten nicht in Betrachtung zog,