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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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MOND DER VENUS.

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Einige Jahre nach Shör t’s Wahrnehmungen des Venusmondessuchte Lai an de in Paris denselben mehrere Male vergebens auf,ebenso konnten Boscowich und Hell, trotz ihres angestrengtenSuchens, denselben nicht auffinden. Bei den Beobachtungen, dieP. Hell in Wien anstellte, machte er die Wahrnehmung, dass sichbisweilen durch den lichten Schein der Venus ein kleines Neben-bild auf dem Augenglase darstellt, was ihn zu dem Schlüsse leitete,die früheren Beobachter hätten sich durch dasselbe täuschenlassen und dasselbe für einen Venustrabanten gehalten. Diesempflichtete auch Lai an de bei, der sich gelegentlich hei seiner An-wesenheit in London mit Short über diese neue Entdeckung be-sprach und des letztem Meinung in den Worten wiedergab:„M. Short ä qui j’en parlai ä Londres en 1763 me parut-lui-memene pas croire l’existence d’un satellite de Venus.“ In den vonHell herausgegebenen Ephemeriden von 1761 ersuchte derselbedie Astronomen beim Vorübergange der Venus vor der Sonne mitden besten Fernrohren den Satelliten aufzusuchen, den einigeglaubten beobachtet zu haben. Hell schrieb es dieser Bekannt-machung zu, dass man in Frankreich schon vor dem Vorübergangeanfing denselben zu suchen, und dass ihn endlich einen Monatfrüher Montaigne entdeckte. Doch schienen auch diese Beob-achtungen den berühmten Herausgeber der Wiener Ephemeridennicht von der Existenz eines solchen Mondes zu überzeugen; erblieb hei seinem Zweifel, um so mehr, da man während des Vor-überganges denselben nicht wollte gesehen haben. Den 1. Juli1761 schrieb Pater Hell einen geheimen Brief an den AbbeLacaille, in welchem er demselben seinen Zweifel über diese ver-meintliche Entdeckung mittheilte, doch denselben ersuchte nichtsvom Inhalte dieses Schreibens zu veröffentlichen. Lacaille beob-achtete auch hierüber das tiefste Stillschweigen und starb imMärz 1762. Zwei Jahre später erhielt Hell ein Päckchen, worinsein geheimes Schreiben sich ins Französische übersetzt vorfandund auch eine Beantwortung von Montaigne enthielt. Diesesveranlasste den Wiener Astronomen in seinen Ephemeriden von1766 eine Abhandlung unter dem Titel: „De Satellite Veneris“zu veröffentlichen, in welcher er die sämmtlichen bekannt gewor-denen Beobachtungen umständlich mittheilt, dabei aber sehr aus-führlich die Möglichkeit anführt, den blossen Reflex des Venus-lichtes auf das Augenglas des Fernrohrs für einen Mond anzu-sehen. Die dort mitgetheilten optischen, dioptrischen und katop-trischen Beweise sind indess nicht mit aller Schärfe abgeleitet,vielleicht um den Lesern verständlicher zu werden, denn sie wur-