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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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GRÖSSTES LICHT DER VENUS.

auro politissimo fahret actum; cujus in Sole posita superficies adeövegetum revibrat splendorem?

(Dioptrice Kepleri p. 81.)

Wann aber die Zeit des grössten Lichtglanzes eintritt und aufwelchem Punkte ihrer Bahn sich dann Venus befindet, war nichtso leicht zu bestimmen, wie bei den oberen Planeten. Eine beson-dere Erscheinung dieser Art sollte die Veranlassung werden, dasseiner der genialsten Astronomen des vergangenen Jahrhundertshierüber eine Untersuchung anstellte, der man zuerst nähere Auf-schlüsse hierüber verdankt. Als im Jahre 1716 den 21. Juli Venusin London durch ihren ungewöhnlichen Glanz allgemeine Bewun-derung und unter den gewöhnlichen Leuten sogar Staunen undFurcht erregte, unternahm der berühmte Halley die Frage überdieses Problem zu lösen. Seine Abhandlung hierüber erschien inden Transact. Philos. Nr. 349 vom Jahre 1716, p. 466 und zeugtvon dem Scharfsinne des Verfassers.

Denn nimmt man an, dass nach Verlauf von 583 Tgn.22 St. 6 Min. Venus uns wieder auf dem nämlichen Punkte desHimmels sichtbar wird, oder dass sie in dieser Zeit ihren syno-dischen Umlauf vollendet, so müssen innerhalb desselben sich alleErscheinungen derselben ereignen.

Der Planet erscheint in seiner obern Conjunction mit derSonne, kommt dann in seine grösste östliche Digression oder Aus-weichung, glänzt darauf im grössten Lichte und gelangt zu seineruntern Conjunction mit der Sonne, wo er uns am nächsten ist,jedoch nicht sichtbar wird, weil er uns seine dunkele Seite zu-wendet. Von hier bewegt er sich weiter in seiner Bahn, erscheintnoch einmal im grössten Lichte, bis er zu seiner grössten west-lichen Digression oder Ausweichung gelangt und endlich wiederzur obern Conjunction mit der Sonne kommt, wo er uns zwar imkleinsten scheinbaren Durchmesser, doch in runder heller Scheibeerscheint. Der Punkt des grössten Lichtes muss also in einersolchen Lage gegen Erde und Sonne sich befinden, die für dieSichtbarkeit den grössten Lichtschein darbietet.

Nach Halley suchten auch andere Gelehrten das Problemdes grössten Venusglanzes zu lösen, namentlich waren es Kies, einwürtembergischer Astronom, und der grosse Euler, deren Unter-suchung man in den Memoires de l’Academie de Prusse pour 1750findet. Ungefähr 30 Jahre später beschäftigte sich auch Lam-bert in Berlin mit diesem Gegenstände und lieferte eine Abhand-