AUFFALLEND GRÖSSTES LICHT DER VENUS, 117
Wenn man die liier während eines Zeitraumes von 200 Jahrengesehenen, auffallenden Erscheinungen vom grössten Lichte derVenus erwägt, so wird man doch einigermaassen über die geringeAnzahl derselben sich wundern. Denn man erklärt die auffallen-den Venusphänomene dadurch, dass während der Epoche des gröss-ten Lichtes dieses Planeten eine besondere Reinheit der Atmo-sphäre im Stande ist, dieses starke Licht hervorzubringen. Wirwollen keineswegs in Abrede stellen, dass dieses in einigen Eällensich wohl in schwächerer Intensität des Lichtes ereignen kann,doch sehr oft findet man diese Erscheinungen angezeigt zu einerZeit, die sehr viel von der berechneten Epoche des grössten Glan-zes der VenSus abweiclit. Deshalb sagt Wurm, der so trefflicheUntersuchungen und Tafeln zur Berechnung des grössten Glanzesder Venus veröffentlichte (v. Zach’s Geograph. EpliemeridenBd. II, S. 305. Astron. Jahrbuch 1802, S. 183), über diesen Gegen-stand: „Meinen weiteren Untersuchungen zufolge darf man ohneBedenken vor dem theoretisch grössten Glanze des Abendsterns,den die Tafel angiebt, noch 7 bis 8 Wochen, und nach demselbenhei 3 Wochen, sowie vor dem grössten Lichte des Morgensterns hei3 und nach demselben 7 bis 8 Wochen als den ganzen Zeitraumrechnen, innerhall) dessen Venus, wenn auch nicht das Maximumihres Glanzes, doch eine für ihre Sichtbarkeit ausserordentlichvortheilhafte Stellung besitzt.“ Nun sind aber von einer grösstenöstlichen Ausweichung bis zur untern Conjunction der Venus mitder Sonne, wie vorhin mitgetlieilt wurde, 70 Tage zu rechnen, wasauch von der untern Conjunction bis zur westlichen Ausweichunggilt, es müssten demnach nach Obigem 11 Wochen oder 77 Tagevor oder nach der untern Conjunction als der Zeitraum angenom-men werden, innerhalb dem solche auffallende Helligkeit diesesPlaneten möglich ist. Doch dieses müsste mit der eigentlichenTheorie im Widerspruche stehen, denn ausser jenen vorhin mit-getheilten Formeln von Kies und Lambert ist noch eine andereauf die Erleuchtung dieses Weltkörpers anzuwendende Vorschrift,nämlich: „Die Lichtstärke der Venus verhält sich umgekehrt, wiedas Product der Quadrate der Entfernungen der Venus von Sonneund von Erde.“ Lambert berechnete die Lichtstärke diesesuntern Planeten nach dem Winkel, den derselbe mit der Sonneund Erde bildet, er nimmt für die obere Conjunction dieselbegleich 1 an, darnach findet er für die grössten Ausweichungeneinen Lichtglanz von P29864, für das Maximum desselben indess2-07563, folglich beinahe das Doppelte als für die grössten Digres-sionen. Ohne Fernröhre sah Kepler’s Lehrer Mästlin vor un-