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BEDECKUNGEN DER VENUS VOM MONDE.
Jupiter und Saturn anstellen, um sich zu überzeugen, ob einerdieser Sterne damit gemeint sei, würde man kein günstiges Resul-tat erreichen, so blieben noch die grösseren Fixsterne übrig, dieebenfalls über diesen quaedam stella entscheiden könnten. Werdie mühevolle Arbeit einer einzigen Bedeckung, die der fernenZeit angehört, kennt, wird wohl auf die Entscheidung verzichten,oh jener Stern Venus oder ein anderer Planet war, demnach wirddie Untersuchung über das Nähere dieser Erscheinung gewiss vonNiemandem unternommen werden.
Für unsere Abhandlung über die Existenz eines Venusmondeshaben eigentlich nur diejenigen Bedeckungen Werth, die nach derErfindung der Fernröhre angestellt sind. Denn befand sichnamentlich dieser Mond zur Zeit der Bedeckung vor seinemHauptplaneten, so müsste derselbe, wie bereits im vorigen Ab-schnitte mitgetheilt, wenn er uns seine helle Seite zuwendete, auchder Venus mehr Licht verleihen und so zu einer auffallenden Er-scheinung derselben Veranlassung geben. Er würde sich aber inBezug auf seine Atmosphäre von unserm Monde unterscheiden,wenn man ebenfalls nach Gassini’s Meinung voraussetzt, dass die-ser Mond einen dichten Luftkreis habe.
Unter dieser Voraussetzung müssten bei Venusbedeckungenvon unserm Monde heim Ein- und Austritte die Lichtstrahlen derVenus, die hinter demselben sich befindet, bei ihrem Durchgängedurch jene Atmosphäre sich bemerkbar machen. Wendet uns derTrabant seine dunkele Hälfte zu, so würde jene Erscheinung die-selbe bleiben, obgleich die Venus nicht in so hellem Glanze, wiefrüher erwähnt, leuchten könnte.
Kommen bei dem Ein- oder Austritte einer solchen Bedeckungdie beiden Ränder des Trabanten und des Erdmondes zur näch-sten Berührung, so werden sich die Lichtstrahlen, die von derhinter beiden sich befindlichen Venus in der Atmosphäre des einenoder des andern Weltkörpers brechen und eine Zerlegung desLichtstrahls in seine sieben Elementarfarben veranlassen. Daaber bekanntlich der Mond keine Atmosphäre hat, so muss, wennbei Bedeckungen der Venus von demselben ein Farbenspiel in demAugenblicke der Berührung der Ränder sichtbar wird, dasselbenur von einem vor jenem Planeten sich befindenden Weltkörperherkommen, der eine dichte, der unserigen ähnliche Atmo-sphäre besitzt.
Versuchen wir demnach unter den bis zum Ende des vorigenJahrhunderts bekannt gewordenen Venusbedeckungen vom Monde