BEDECKUNGEN DER VENUS VOM MONDE.
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nicht erschienen war? Würde der Mond einen solchen neuenKometen bedeckt haben, so hätten es auch verschiedene Ge-schichtsschreiber berichtet, und man müsste auch in den früherenChroniken solche Ereignisse verzeichnet finden. Doch auch ausdiesen Berichten kann der Astronom nichts für seine Wissenschaftfinden, denn das Meiste ist durch Aberglauben und Hang zumWundervollen entstellt.
Zwei Nachrichten aus früheren Jahrhunderten sind bekanntgeworden, die ohne Zweifel auf Planetenbedeckungen vom Mondehindeuten, wären es aber Fixsterne gewesen, die der Erdtrabantdamals verfinsterte, so könnten es nur Aldebaran, Regulus, Spicaoder Antares gewesen sein. Aber noch näher liegt die Ver-muthung, dass damals Venus verfinstert wurde. Der bekannteGeschichtsschreiber und Benedictiner Aimonius berichtet in seinerGeschichte Frankreichs vom Jahre 583 nach Chr. Geb.: „Manhabe einen Stern mitten auf dem Monde in vollem Glanze er-blickt: Stella in medio Lunae fulgans visa est“ (III. Buch,
23. Cap.). Der polnische Kometograph des sechszehnten Jahr-hunderts, Stanislaus Lubienitz, der alle möglichen Nach-richten und Wahrsagungen über die wunderbarsten Erscheinungenam Firmamente in seinem Tlieatr. Cometicum sammelte und be-schrieb, hält diese Erscheinung für nichts anderes als die einesKometen, ein anderer Schriftsteller pro coineta aereo sub Lunaaccenso. Ein Freund des Lubienitz dagegen hält diese Erzählungfür eine Fabel, worin man ihm auch jetzt beipfiieilten würde, wenndieser Gegenstand nicht eine umständliche Untersuchung ver-diente, nur hätte man statt „der Mitte des Mondes“ am Rande desMondes zu substituiren. Denn wahrscheinlich schien dieser kleineUnterschied dem Aimonius in seiner Beschreibung nicht vongrosser Bedeutung und er bediente sich einer gewissen poetischenFreiheit.
Eine zweite Erzählung über eine derartige Erscheinung findetsich im „Catalogo Prodigiorum, Miracalorum atque Ostentorumtarn in coelo, quam in terra, Norimbergae 1653“ von MarcusFrytschius Laubanus. Der Verfasser berichtet hierin voneinem besondern Wunder, dass nämlich im Jahre 654 n.Chr. Geb. ein Stern gesehen wurde, welcher sich allmälig demMonde näherte, sich mit ihm vereinigte und so gleichsam einenKörper gebildet habe. „Quaedam stella, contra lunam veniensconjuncta est illi, et quasi unum Corpus effectum.“ Auch hierwürde es schwer sein jenen Stern zu bestimmen, denn man müssteeinen Versuch mit der Venus und den sichtbaren Planeten Mars,