136 VORÜBERGÄNGE DER VENUS VOR DER SONNE.
Als später Mercur zur vorausbestimmten Stunde und Minuteeintrat, unterschied derselbe sich von dem nur wenig kleinernFlecken durch eine viel tiefere Dunkelheit, und ich hatte Gelegen-heit, mich zum ersten Male zu überzeugen, dass, wie frühere Beob-achter behauptet haben, die Sonnenflecken keineswegs schwarzsind, sondern noch Licht refiectiren, und nur in Folge des Con-trastes gegen die helle Scheibe der Sonne viel dunkeier er-scheinen, als sie wirklich sind. — Es liegt in der Natur der Sache,dass der Eintritt immer etwas spät gesehen werden muss, da derdunkele Planet sich nur zeigen kann, wenn ein Theil desselbenbereits auf der Sonnenscheibe erscheint, doch lässt sich die innereBerührung seines Randes mit dem Sonnenrande sehr scharf beob-achten, ebenso beim Austritte, und hier auch das gänzliche Ver-schwinden.
Anger.“
Die Berichte Bessel’s, Harding’s, Gauss’s, Mädler’sund anderer Beobachter dieses Vorüberganges erwähnen ebenfallskeine auffallende Erscheinung, weder beim Ein- noch beim Aus-tritte und es ist dadurch constatirt, dass die Mercursvorübergängesich hierin von den beiden letzten der Venus unterscheiden. Ver-suchen wir indess irgend einen Aufschluss über jenes sonderbarePhänomen derselben zu erlangen, denn wir können es nicht einerIrradiation zuschreiben, da es sich nur bei einer Ränderberührungund nicht bei der andern gezeigt hat. Wäre es eine Wirkungderselben, so müsste es beim Ein- und Austritte sichtbar sein.
Wenn wir nach der sehr wahrscheinlichen Erklärung La-mont’s über die Entstehung der Lichtpunkte und kleinenschwarzen Streifen zwischen denselben bei Sonnenfinsternissen siedem ungleichen Mondrande zuschreiben müssen, so fällt bei derVenus die Annahme eines irregulären Randes fort. DerselbePlanet erscheint stets rund und mit einer dichten Atmosphäre um-geben, die nicht gestattet, wie W. Herschel sehr treffend be-merkt, die Ungleichheiten auf seiner Oberfläche wahrzunehmen.Wir haben vorhin versucht, mehrere bedeutende Flecken derVenus, die Schröter beobachtete, für die der Trabantenscheibebei seinem Vorübergange vor seinem Hauptplaneten zu bezeich-nen; dieselben waren in ihren verschiedenen Erscheinungen ineiner solchen Zeitfolge gesehen worden, dass man ebenfalls ausderselben eine mittlere Periode ableiten konnte. Wenn also nichtsvorhanden ist, welches auf der Venusscheibe diese seltene ausser-gewöhnliche Gestaltung des Planeten hervorbringen kann, so muss