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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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VORÜBERGÄNGE DER VENUS VOR DER SONNE. 137

es eine andere Ursache geben, wodurch sie entsteht. Besondersbemerkenswert]! ist hierbei noch, dass während des Vorüber-ganges von 1639, von dem nur der Austritt beobachtet wurde,weder Ilorrox noch Crabtree das seltene Phänomen wahr-nahmen, folglich ist dasselbe nicht immer sichtbar. Doch auchbei beiden Gontacten kommt dasselbe nicht vor, sondern nur ent-weder beim Eintritte, wie im Jahre 1769, oder heim Austritte, wiederselbe 1761 beobachtet wurde. Ebenfalls haben nicht alle Beob-achter es gesehen, sogar einige von ihnen auf ein und derselbenSternwarte bemerkten nichts davon. Es zog sich kein Lichtfadenüber die beiden Ränder, der sie verband, sondern es war nach derBeschreibung einiger aufmerksamen Astronomen ein dunkeierStreifen, nach derjenigen anderer eine runde Gestalt, die mit derVenus sich vereinigte; nachdem bildeten dieselben einen Körper,der eine hirnförmige Contour annahm, die aber bald verschwandund Venus beim Eintritte allein als runde Kreisscheibe auf derSonne verblieb oder heim Austritte mit der vorhin beschriebenenGestalt verschwand. Giebt es keine genügende Erklärung diesesPhänomens, so liegt allein uns der Gedanke nahe, dass dieses derVenusmond verursacht habe. Sind die Beschreibungen dieser Er-scheinung nicht übereinstimmend mit der Annahme eines Be-gleiters, denn auch die dunkele Farbe unterschied sich in Nichtsvon der des Planeten? Das Einzige, was hier höchst merkwürdigerscheint, ist nur der Ort dieses Satelliten, der nämlich in denAugenblicken jener Berührungen sich neben seinem Hauptplanetenbefand und durch die Vereinigung seine nur ein Viertel von demDurchmesser der Venus betragende kleine schwarze Kreisflächemit der grossem dieses Planeten eine hirnförmige Gestalt bildenkönnte. Nehmen wir ferner wahr, dass dieses Phänomen nichtvon den Astronomen aller Gegenden, die gleichzeitig den Vorüber-gang auf verschiedenen Punkten der Erde beobachteten, wahr-genommen wurde, so kann man als Grund hiervon die Wirkungder Parallaxe des Venusmondes anführen, die nicht gestattetedenselben überall wahrzunehmen. Dass der Ort jenes kleinenMondes damals während beider Vorübergänge nebendem desHauptplaneten sich befand, war ein seltener Zufall, der wahr-scheinlich bei dem nächsten Vorübergange von 1874 oder hei demvon 1882 sich nicht ereignen wird. Noch mehr werden wir geneigtsein, diese Erscheinung für die des Venusmondes anzunehmen,wenn man die Beobachtungen desselben von Montaigne vomJahre 1761 genauer betrachtet , da dieselben nur vier Wochen vordem Venusvorübergange angestellt wurden. Die Beobachtungen