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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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151
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BELEUCHTUNG DER NACHTSEITE DER VENUS, 151

Möge man aber die Ursache davon herleiten, wie man auchwolle, so müssen dennoch mehrere Umstände gleichzeitig mit-wirken, um die Sichtbarkeit derselben zu veranlassen. Noch kannman aber hinzufügen, dass alle Beobachter dieses Phänomens das-selbe nur zufällig entdeckten und durch diese Wahrnehmungüberrascht wurden, indem sie es anfänglich für Täuschung hielten.Würden sie aber im Voraus gewusst haben, dass zu dieser oderjener Zeit die Nachtseite der Venus sichtbar sein müsse, dannhätten sie dasselbe auch öfters beobachtet und wir würden einegrössere Anzahl von Beobachtungen desselben aufgezeichnet fin-den. Der gegenwärtige Standpunkt der Wissenschaft erlaubt esnoch nicht genügend und überzeugend mathematische Formeln zuentwickeln und ihnen gemäss die nöthigen Berechnungen anzu-stellen. In vorliegender Schrift haben wir nur die Absicht die-jenigen Ursachen darzustellen, durch die eine Sichtbarkeit dessecundären Lichtes hervorgebracht wird und wir glauben dem-nach wenigstens irgend eine Erklärung, die analog derjenigen dessecundären Lichtes auf unserm Mond ist, hier darzulegen, die mitunseren bis jetzt gegebenen Darstellungen des Venusmondes über-einstimmt.

Wenn ein aufmerksamer und gelehrter Beobachter, wieF. Bianchini in Rom, zu Anfänge des vorigen Jahrhunderts un-ablässig die Venus mit guten Fernrohren beobachtet hat, um jedeseltene Erscheinung auf ihrer Oberfläche wahrzunehmen, wenn erdiese Beobachtungen drei Jahre fortsetzte, sollte er da nicht viel-leicht eine theilweise Sichtbarkeit der Nachtseite dieses Planetenwahrgenommen haben? Doch er sah nichts davon, da er überseine Wahrnehmungen alles gewissenhaft aufzeichnete. Schröterbeobachtete 15 Jahre denselben Planeten und obgleich er einigeMale eine theilweise Beleuchtung der Nachtseite desselben wahr-nahm, so gelang es ihm erst mehrere Jahre nach Beendigung der-selben zum ersten Male die ganze Nachtseite der Venus beleuchtetzu sehen, wodurch er sich für den Entdecker dieses Phänomenshielt, das bereits vor ihm beobachtet worden war. Demnach kannman beurtheilen, wie selten die Erscheinungen dieser Art sichzeigen, und dass es demnach auch dem unermüdlichen Beobachternicht gelingt, sie wahrzunehmen. Diese Bemerkung bezieht sichaber sowohl auf die gänzliche als auch auf die theilweise Sicht-barkeit der Nachtseite der Venus, von welcher letztem wir das bisjetzt Bekannte hier mittheilen wollen.

Die ersten hierher gehörenden Beobachtungen wurden vondem Erblandmarschall v. Hahn in Remplin und Schröter bei-