152 BELEUCHTUNG DER NACHTSEITE DER VENUS.
nahe gleichzeitig veröffentlicht, denn der erste schrieb den 13. Mai1793 an Bode Folgendes:
„Seit einiger Zeit habe ich Venus oft beobachtet, und sieauch bei Tage besonders betrachtet. Bei dieser Gelegenheitmachte ich eine Bemerkung, darüber ich mir Ihren Ausspruch er-bitten möchte. Sehr oft nämlich sah ich mit grosser Deutlichkeitden dunkeln Theil der Scheibe des Planeten, der sich durch einegraue ins Bräunliche Farbe merklich machte. Ich möchte wissen,ob irgend ein falsches Licht oder eine ähnliche Ursache diese Er-scheinung veranlassen könnte, die man durch mehrere Fernröhrewahrnimmt, wenn die Luft rein ist.“
„Die Venus' erhält dadurch eine ovale Figur. Zuweilen glaubteich sogar die völlig abgerundete, von einem feinen Lichtkreise anihrem Rande umgebene Scheibe vor mir zu sehen. Jetzt ist beider mehr sichelförmigen Gestalt des Planeten dieses nicht mehrso auffallend, dagegen ist sie unten mit einem schwarzen Streif,wie die Figur zeigt, begränzt.“
Diese Abbildung zeigt eine umgekehrte Venussichel, die un-sichtbare Nachtseite des Planeten ist nach unten gekehrt und dieconcave Lichtgrenze zwischen beiden, der Licht- und Nachtseite,enthält von einem Horne bis zum andern eine schmale Linie oderStreifen. Dieser ist der von Schröter entdeckte Dämmerungs-bogen, woraus dieser Astronom die Höhe der Venusatmosphäreberechnete. Doch sah der Lilienthaler Beobachter diesen Bogenschon den 12. August 1790 und erkannte die richtige Ursachedieser Erscheinung. Dieselben Beobachtungen wurden in neuesterZeit auch von Secchi in Rom bestätigt, der letzte Astronom fandaber den Dämmerungsbogen noch etwas grösser als Schröter.
Die obige Mittheilung v. Hahn’s deutet darauf hin, dass erauch eine theilweise Beleuchtung der Nachtseite sah, da er späterdie gänzliche Scheibe erblickte. Uebrigens sieht man hieraus, dassRiccioli im Jahre 1643 eine sehr genaue Beobachtung angestellthat, denn er erwähnt bereits den feinen Lichtkreis am Rande derVenus, die er semiannulus lucidus nennt.
1793 den 16. Mai 7 h 40' Abends machte Schröter eben-falls eine solche Wahrnehmung wie v. Hahn, denn er berichtethierüber: „Die Venus erschien äusserst schmal, ich entdeckte einnoch matteres Licht als das des Dämmerungsbogens und zwardieses Mal vornehmlich und augenfälliger an der südlichen Hörner-spitze glimmen, welches sich an beiden Spitzen mit der Farbe desHimmels selbst vermischte, vornehmlich an der südlichen Hörner-spitze glimmte das Licht.