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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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ROTATIONSZEIT DER VENUS,

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Bemerkung, dass die Flecken, die Bianchini in verschiedenenZeiten beobachtet habe, wahrscheinlich von den seinigen ver-schieden gewesen seien, woraus sich dann das von ihm gefundeneirrthiimliche Resultat erklären lässt.

Als Schröter in Lilienthal seine Venusbeobachtungen be-gann, suchte er zuerst sich mit der Gestalt der sich nur seltenzeigenden Flecken bekannt zu machen, ausserdem wollte er auchsich mit stark vergrössernden Teleskopen versehen, um Beobach-tungen anzustellen, die neue Aufschlüsse über die physische Con-stitution der Weltkörper darbieten könnten. Nachdem er einigeJahre seine mühsamen Wahrnehmungen über die Oberfläche derVenus fortgesetzt hatte, machte er die Bemerkung:Dass Bi au-ch in is Muthmaassung ungegründet sei, fand ich bald aus denfortgesetzten Beobachtungen der ungleichen Flörnerspitzen derVenus; sowie hingegen des Cassini Angaben mit denselben besserstimmen, die Gestalt des südlichen Horn es ebenso wie die des nörd-lichen veränderte sich schon in einigen Stunden und traf beiläufignach 23 bis 24 Stunden wieder zu*),und hieraus folgte nicht alleindiese Periode der Umwälzung der Venus, sondern auch, dass ihrAequator beträchtlich gegen die Ekliptik geneigt sei und ihre Polevon den Hornspitzen ziemlich entfernt liegen müssen.

Schröter hielt bekanntlich die bisweilen an den Hörnernbemerkten Lichtpunkte für Berggipfel auf der Oberfläche desPlaneten und suchte aus der Abwechselung und Wiederkehr der-selben Gestalten dieser Hörner die Rotationszeit der Venus zu be-stimmen. Aus seinen Beobachtungen vom 28. December 1789 sAbends 5 Uhr, bis 25. December 1791, Morgens 10 Uhr, also in726 tgn. 17 St. fand er eine mittlere Periode von 23 St. 20 Min.59-4 Sec. Der erwähnte Zeitraum enthält solcher Perioden 747,nur mit einem sehr geringen Unterschiede von 7 /i« einer solchenPeriode **). Der unermüdliche Beobachter wählte einen noch grossemZeitraum, nämlich vom 28. December Abends 5 Uhr 1789 bis zum27. Februar 5 U. 40' Abends 1793, der mithin 1157 Tge. 1 St.41 Min. beträgt und fand, dass hier 1189-28 Perioden enthaltensind. Durch diese Prüfungen überzeugt sich Schröter von derRichtigkeit seiner Periode, die ihm als zweites Resultat für dieRotatiönszeit der Venus 23 St. 21' 19", oder 20" mehr als diefrühere ergab. Diese letzte Bestimmung suchte er aus der Ver-

*) Dass die Gestalt der Hörnerspitzen stets nach 23 bis 24 Stundenwiederkehrte, scheint aus den in den Aphrodit. Iragm. vorkommenden Beob-achtungen nicht immer zu folgen.

**) Astron. Jalirb. 1795, p. 211.