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Der Venusmond und die Untersuchungen über die früheren Beobachtungen dieses Mondes / von Dr. F. Schorr
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ROTATIONSZEIT DER VENUS.

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werfen, ihre verschiedenen Gestalten zu prüfen und aus ihnen dieZeit herzuleiten, nach denen dieselben in ihrer frühem Form, wiesie ihm seine Abbildungen zeigten, wiederkehrten. Wenn ein sounermüdeter Beobachter, wie dieser Gelehrte, sich in einem sogrossen Zeiträume mit der Lösung der Frage über die Umdrehungder Venus um ihre Axe beschäftigte, so ist wohl hieraus derSchluss zu ziehen, dass er ein Resultat finden würde, welches auchmit seinen Beobachtungen übereinstimmte. Auch in Schrötersaphroditographischen Fragmenten kommt eine Abbildung der vonBianchini beobachteten Flecken vor, die in der Mitte der Ober-fläche lagen. Seine gefundene Rotationszeit von 24 Tgn. 8 St.wurde später sehr in Zweifel gezogen, bis in neuerer Zeit auch sieihre Vertheidiger fand, die auch ihre Gründe für die Annahme derBianchinisehen Rotationsperiode hatten. Alexander vonHumboldt macht in seinem Kosmos hierüber die Bemerkung:Das Resultat von Bianchini ist vertlieidigt worden von Ilusseyund Flaugergues; auch Hansen, dessen Autorität mit Recht sogross ist, hielt es bis 1836 für das Wahrscheinlichere (s. Schuh-machers Jahrbuch für 1837, S. 90).

Eine andere Bestimmung dieser Periode, die auch jetzt alsdie genaueste angesehen wird, die aber eigentlich auch noch einerneuen Prüfung bedarf, machte sich geltend. Dominik Cassini,der als seltener und hochbegabter Astronom auf verschiedenenGebieten der Sternkunde grosse Entdeckungen ausführte, ver-suchte bereits 1666 die Rotationszeit der Venus zu ermitteln, dochgelang ihm dieses nicht. Fortgesetzte Beobachtungen der Venuszeigten ihm lange Zeit keine Flecken, bis er einst nahe an derErleuchtungsgränze eine helle Stelle gewahr wurde, die nachseiner Meinung ihre Bewegung in beinahe 23 Stunden vollendenmusste. Doch war er als langjähriger Beobachter stets gewöhnt,sich vor Täuschungen zu bewahren und so wagte er nicht dieVoraussetzung, dass die von ihm beobachtete helle Stelle im Ver-laufe der Zeit immer dieselbe gewesen sei. Da er die Fortrückungdes hellen Fleckens nicht in einem hinlänglich grossen Bogenbeobachten konnte, so liess er die Frage über die Rotationszeitunentschieden.

Sein Sohn, Joh. Jacob Cassini, glaubte jedoch aus seinenBeobachtungen ermittelt zu haben, dass die von Bianchini ge-fundene Periode 25 mal länger sei als die eigentlich stattfindende.Er veröffentlichte in den Memoires de lAcademie von 1732 und inseinen Elemens dAstronomie die aus seinen Beobachtungen hervor-gehende Periode von 23 St. 22 Min. Gleichzeitig machte er die