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Für die gleiche Richtung wurde von Herrn Ingenieur Wurstemberger, dem die Direktion des Baues anvertrautwurde, eine Drahtbrücke in Vorschlag gebracht (Blatt X). Da wir schon oben unsere Ansicht dahin ausgesprochenhaben, daß sich Hängebrücken für Bern bei den geringen Preisen der Steine nicht sehr gut eignen, so gilt dieses ganzbesonders bei der vorliegenden Richtung, in welcher mit verhältnißmäßig geringen Kosten eine steinerne Brücke angebrachtwerden konnte. Die vorgeschlagene Drahtbrücke erhielt drei Brückenöffnungen, eine mittlere von 353 V? und zwei zurSeite von je 73 V? lichter Weite. Die Länge der Brücke wurde zwischen den beiden Widerlagern zu 526V? angenommen.Die Pfeiler waren 46' hoch und 13 V? dick. Obschon der Bau auf diese Weise ohne namhafte Kostenvermehrung aufdiejenige Höhe gebracht werden konnte, auf welcher sich die Gerechtigkeitsgasse mit der Junkerngasse verbindet (92' 6"),so wurde er doch in der Mitte bloß zu 80' angenommen, während er beim Anfang nur 77' Höhe erhielt. Die Breitewurde zu 28' 3" festgesetzt, was bei der außerordentlichen Frequenz an Markttagen kaum genügt hätte. Der HerrVerfasser berechnete die Kosten seines Projekts auf 550,000 fr. Franken, während die Herren Donegani und Jaquinetihre steinerne, am gleichen Orte und fast in der gleichen Höhe projektirte Brücke zu 874,329 fr. Franken ansetzten.Da jedoch die steinerne Brücke beinahe um die Hälfte breiter als die Drahtbrücke angenommen wurde, sozeigt es sich, daß unter gleichen Verhältnissen die Drahtbrücke, auch abgesehen von ihrer geringern Dauer,selbst vom ökonomischen Standpunkt aus kaum den Vorzug vor einer steinernen Bogenbrücke erhalten dürfte. Esfand dieses Projekt weder bei der Direktion noch beim Publikum irgend einen Anklang, weßhalb niemals näher indasselbe eingetreten wurde.
In der Ausführung kam weder das flache Zirkelsegment von Donegani noch der elliptische Bogen von Moscazur Anwendung. Gegen die Ellipse wurde die Schwierigkeit ihrer Verzeichnung im Großen geltend gemacht, auch waltetenebstbei vielseitig die Meinung, daß sie weniger Solidität als ein Kreisbogen darbiete. Da nun aber in der Prarisdie Ellipse fast durchgehends durch eine ihr äußerst ähnliche Korblinie, welche leicht aufzuzeichnen und auszuführen ist,ersetzt wird, und da dieselbe keine geringere Solidität als ein Kreisbogen darbietet, sondern im Gegentheil die nachtheiligeallzu starke Belastung der Gewölbschenkel wesentlich vermindert, so hätte nach unserm Ermessen, sowohl in ästhetischerals in technischer Beziehung, die Korblinie füglich in Anwendung gebracht werden können. Gegen hohe Pfeiler undeinen flachen Kreisbogen, wie es Donegani und Negrelli wünschten, wurde hauptsächlich eingewendet, daß hiedurchdie Ausführung ohne Noth erschwert und das Gelingen des Baues unsicher werde, dagegen hätte ein solcher Bogender Brücke nicht bloß ein leichteres Aussehen verschafft, sondern nebstdem wie obige Kurve die nachtheilige allzugroßeBelastung der Gewölbschenkel bedeutend verringert. Deßhalb hätte den Pfeilern, die jetzt bloß bis auf den höchstenWasserstand gehen, gewiß ohne Nachtheil eine etwas größere Höhe ertheilt werden können und sollen. Der Unternehmersprach sich wiederholt dahin aus, daß er ohne irgend eine Kostenvermehrung bereit sei, einen elliptischen Bogen oderein flächeres Kreissegment anzubringen. — Um den allzu schwerfälligen Anfahrten eine etwas gefälligere und leichtereGestalt zu ertheilen, wurden zwei Seitenbogen von 55' Licht angebracht, wodurch auch die Verbindung der unternStadt bequemer wurde, während ein allzu enger Bogen dem Verkehr hinderlich gewesen wäre.
Nachdem wir nun alle namhaften Brückenprojekte, welche zur Ausebnung des Thales, das Bern auf drei Seitenumgibt, vorgeschlagen wurden, betrachtet haben, so bleibt uns schließlich nur noch übrig, eine Linie näher ins Augezu fassen, auf welcher nunmehr nach einem großräthlichen Beschlusse die Zürcher-, Aargauer-, Solothurner- undBaslerstraße, welche bisdahin über die Brücke beim untern Thor auf der Ostseite von Bern in die Stadt einmündeten,auf der entgegengesetzten Westseite in dieselbe geführt werden sollen. Daß hiedurch zum Nachtheil der Aktionäre dieFrequenz der Nydeckbrücke bedeutend abnehmen müsse, liegt wohl außer Zweifel, dagegen glauben wir, es werde durchdiese Anordnung die Stadt als solche eher gewinnen als verlieren, indem nunmehr alle Fuhrwerke, welche vom Oberlandoder Emmenthal auf eine der obbesagten Straßen sich begeben wollen, die Stadt in ihrer Länge durchführen werden,was bei den frühern Anordnungen weniger der Fall gewesen wäre. Dagegen wird die sogenannte Lyß-Hindelbankstraßeder Hauptstadt die ganze Kommunikation von der östlichen nach der westlichen Schweiz abschneiden. Zur bessernVerdeutlichung heften wir dieser Baugeschichte eine Uebersichtskarte der Straßenprojekte zwischen Zollikofen und Bern bei,aus welcher auch die bereits betrachteten verschiedenen Eingänge der Hauptstadt besser gewürdigt werden können.
Nachdem die sogenannte Lhßstraße von Lyß bis gegen Münchenbuchsee größtenteils vollendet war, drängte sichdie Frage auf, wie sie nunmehr nach der Stadt Bern geführt werden solle. Diese Anlage sollte die alte Straße überAarberg nach Viel und dem Jura, wenigstens als Straße erster Klasse, beseitigen, was allerdings um so nothwendigerwar, da dieselbe nicht bloß sehr beschwerlich, sondern theilweise selbst gefährlich ist, indem sie Gesälle von mehr als15 prCt. hat. Die Lhßstraße wird nicht bloß mit sehr unbedeutenden Gesällen von höchstens 3—4 prCt. von Bern nachBötzingen, dem Punkt, wo der Jura überschritten werden soll, führen, sondern sie ist überdieß um V» Stunden kürzerals die alte Straße. Wenn man dagegen auf der neuen Anlage nach Neuenburg gelangen will, so ist sie um V» Stundenlänger als die alte, dürfte aber dessenungeachtet wegen des unvergleichlich sanftem Gefälles auch für diese Richtungwenigstens für Wagen entschieden den Vorzug verdienen. Diese Straßenlage war nun, wie gesagt, bis gegen denPunkt e im Buchseewald (siehe Uebersichtskarte) größtentheils vollendet und gleichzeitig eine neue Straße in Arbeit,welche auch die Zürcher- und Baslerstraße nach dem besagten Punkt e hinführen sollte, indem derselbe viel tiefer liegtals der Hügel, welcher zwischen der Papiermühle und dem Sand liegt. Von diesem Vereinigungspunkte, glaubte dieMehrheit des Baudepartements, sollte die neue Anlage über Rütti gegen Worblaufen und das Ausrainhölzli nach derStadt geführt werden. Für die daherigen Arbeiten forderte man einen Kredit von 160,000 Franken. Diese Straßehätte vom Punkt o bis zum goldenen Adler in Bern n folgende Länge und Gefalle erhalten: