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daß Verhältnisse die Ausführung dieses Prachtwerkes verhindert haben, während es sich doch zeigte, daß inBern der Geist noch keineswegs erstorben sei, welcher materielle Vortheile einer großartigen Idee zum Opfer zubringen weiß.
Nach dem andern Projekte des Herrn Mosca sollte die Brücke eine Breite von 58', d. h. die volle Breite derGerechtigkeitsgasse erhalten, wobei dann sowohl die alte Brücke beim untern Thor als auch die Kirche an der Nydeckhätten beseitigt werden müssen. In diesem Falle hätte die untere Stadt die Kommunikation mit dem rechten Aaruserdurch eine unter dem Hauptbogen angebrachte Hängebrücke erhalten sollen. Statt der alten Nydeckkirche sollte in einengroßen achteckigen Platz, welcher in der Stadt dem außerhalb angelegten runden Platz gegenüber angebracht werdensollte, ein neuer schöner Tempel erbaut werden. Durch kolossale Stützmauern sollte ferner ein Theil des beim Staldenund bei der Nydeck zu tief liegenden Quartiers auf die Höhe der neuen Brücke gehoben, und auf diesem Niveau neuerbaut werden, was auch mit demjenigen Theil der Gerechtrgkeits- und Postgaffe hätte geschehen sollen, welcher nichtin das Alignement paßte.
Dieser Plan wurde seiner Großartigkeit und seiner außerordentlichen Kostspieligkeit wegen nie in ernste Berathunggezogen, und veranlaßte Spötter zu der Bemerkung, man beabsichtige, die Stadt niederzureißen, um ihr einen bequemernEingang zu verschaffen. Auch schadete diese Idee, die der Pracht wegen die ökonomischen Verhältnisse ganz aus denAugen verlor, dem andern Projekte des Herrn Mosca, welches mit einigen Abänderungen von der Ausführung nichthätte abschrecken sollen, besonders bei dem größern Publikum bedeutend, weil man die irrige Ueberzeugung hatte, dasselbeerfordere, wie das so eben erwähnte, die Beseitigung von viel mehr Gebäulichkeiten, als eine Brücke auf der Linievon Donegani und Jaquinet, obschon ein Blick aus den Grundplan zeigt, daß die daherige Differenz eben nicht sehrbeträchtlich gewesen wäre.
Die Kosten dieses Baues nach dem auf dem Blatt IX dargestellten Plan wurden von Herrn Ferry nach denAngaben des Herrn Osterrieth auf 1,983,465 fr. Franken oder aus 1,368,590 Schweizerfranken berechnet, würdensich aber in der Ausführung wahrscheinlich auf 1,700,000 Schweizerfranken belaufen haben. Der Bau hätte also zirkaeine halbe Million mehr gekostet, als die nunmehr ausgeführte Nydeckbrücke. Dagegen wären nicht bloß die annochvorhandenen sehr beträchtlichen Gefalle bedeutend vermindert worden, sondern Bern hätte überdieß eines der schönstenund großartigsten Monumente der Baukunst erhalten. Ferner wäre durch einen auf diese Art ausgeführten Bau dasBedürfniß der Tiefenaubrücke, die nunmehr auf Staatskosten hergestellt und ebenfalls über eine halbe Million kostenwird, weggefallen, und der Ertrag des Zolles wäre sowohl deßwegen als wegen der größern Höhe der Mosca'schenBrücke und daheriger geringer Benutzung der alten zollfreien Brücke beim untern Thor größer gewesen.
Da viele und besonders ökonomische Schwierigkeiten von der Annahme des Mosca'schen Projektes abschreckten,so blieb doch der Wunsch vorwaltend, wenigstens die Hauptanordnungen seines schönen Entwurfes auf die von Doneganiund Jaquinet vorgeschlagene Linie, für welche man sich entschieden hatte, überzutragen. Aus dieser Ursache entwarfHerr Donegani auf Ansuchen der Direktion ein zweites Projekt für seine Linie (Blatt IX), in welchem er die Aaremit einem einzigen Bogen von 167' Spannung übersetzte. Da die besagte Linie die Aare rechtwinklicht schneidet, auchsich nicht sehr nahe bei der alten Brücke befindet, so war die vorgeschlagene Spannung von 167' mehr als hinreichend.Herr Donegani schlug statt eines elliptischen Bogens ein Kreissegment von obgenannter Sehne und 42' Pfeilhöhevor. Diesen Bogen stellte er auf Pfeiler, welche sich 25'über den niedrigsten Wasserstand erhoben. Auch Herr Negrellitrug für die gleiche Linie, die er sehr vertheidigte, auf einen ähnlichen, mit dem Doncgani'schen fast kongruirendenBogen an. Die Höhe der Brücke bestimmte Herr Donegani in seinem zweiten Projekte auf 80' über dem niedrigstenWasserstand. Beide Anfahrten .bewerkstelligte er durch etwas schwerfällige, massenhafte Stützmauern, die gegeir dieBrücke zu etwas fielen, und bloß für die Gasse in der untern Stadt der Kommunikation halber durch einen Bogenvon 18' Licht durchbrochen wurden.
Auch Herr Architekt Ferry entwarf ein Projekt mit bloß einem Bogen aus der von Donegani und Jaquinetvorgeschlagenen und von der Direktion genehmigten Linie. Herr Ferry reduzirte den großen Bogen aus 156', behieltjedoch die von Herrn Mosca vorgeschlagene elliptische Gestalt desselben bei. Ueberhaupt suchte Herr Ferry das schöneProjekt des Herrn Mosca möglichst unverändert auf die angenommene Linie anzupassen. Der elliptische Bogen stehtauf Pfeilern von 17' 6" Höhe, und hat bei einer Spannung von 156' eine Pfeilhöhe von 52' 1". Dem Bogenertheilte Herr Ferry ein vorstehendes Bogengestmse von 8' Breite beim Gewölbanfang und von 6^' beim Schlußstein.Uns scheint, daß bei Brückenbauten die schiefen Fugen der Gewölbsteine am zweckmäßigsten durch einen gut gewählten,dem Auge keineswegs entzogenen Steinschnitt mit den horizontalen Fugen der Stirnmauern der Gewölbschenkel verbundenwerden. Deßhalb würden wir der einfachen Darstellung des Steinschnittes beim Mosca'schen und Doncgani'schenProjekte jeder Art von Bogengesimse weit den Vorzug ertheilen, und zwar um so mehr, wenn beim Bogen nicht diegleiche Steinart wie bei den Stirnmauern angewendet werden kann oder will. — Für die Offenhaltung der Straßean der Matte bringt Herr Ferry einen Bogen von 20' Licht an, dem er auf der entgegengesetzten Seite, der Symmetriewegen, einen gleichen entgegenstellt. Ueber diesen Bogen wurden entsprechende Inschriften angebracht. Die Höhe derBrücke sollte nach dem Vorschlag 81' 5" über dem niedrigsten Wasserstand betragen, und ihre Breite wurde zu 42'zwischen den Stirnmauern angenommen. Beim Kostenanschlag wurde der große Bogen von hartem Stein berechnet;und unter dieser Voraussetzung sollte daö Werk 988,284 fr. Franken oder 681,915 Schweizerfranken kosten; in derAusführung würde es ungefähr gleich viel wie der wirklich hergestellte Bau gekostet haben.
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