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einen Theil der Gotthardsstraße theils dirigirt, theils als Unternehmer zur Zufriedenheit der betreffenden Regierungennach eigenen Plänen ausgeführt hatte, der Aktiengesellschaft als Unternehmer des Baues vor, und schloß mit ihmnach Abänderung und Erläuterung mehrerer Bestimmungen des Vorschristenheftes einen vorläufigen Vertrag ab, welcherden 7. Juli von der Aktiengesellschaft genehmigt wurde. Bald nach dem Abschluß des Vertrages wurde Hand an dieArbeit gelegt. — Ehe wir jedoch zur Beschreibung derselben übergehen, scheint es zweckmäßig, noch einen Blick aufdie Materialien zu werfen, aus welchen der Bau hergestellt werden sollte.
Nach der Baubeschreibung hätten die Pfeiler des großen Bogens, so wie dieser selbst bis auf eine Dicke vonwenigstens k? aus Kalkstcinauadern hergestellt werden sollen. Ferner sollten die Sokel für die Pfeiler und Widerlagerder Scitenbogen und für die sämmtlichen Stützmauern aus dem gleichen Gestein bestehen, indem der in der Umgegendvon Bern vorkommende Sandstein Neigung zum Salpctcrfraß hat, wenn er, der Luft ausgesetzt, mit der Feuchtigkeitdes Bodens in unmittelbarer Berührung bleibt. Dann sollten noch die Stirngcwölbstcine, so wie die Schlußsteine derSeitenbogcn, die an den acht ausspringenden Ecken angebrachten Ketten, so wie das Gesimse und das Brustgeländcr derBrücke und der Zufahrten aus dem nämlichen Kalkstein hergestellt werden. Da diese Arbeiten beinahe 200,000 KubiksnßKalksteinquader erforderten, so war leicht einzuseben, daß man dieselben, ohne unmäßige Verlängerung der Bauzeit,von Mcrligcn, wo solche Steine gebrochen werden, nicht erhalten könne und sich daher um andere geeignete Steinbrücheumzusehen habe. Mcrligen liegt auf dem rechten Ufer des Thunersee's, in der Mitte zwischen Neuhaus und Thun aufdem Schuttkcgcl eines ehemaligen Bergsturzes. Seit langer Zeit werden hier von mehrern Steinbrechern die in chaotischerUnordnung über einander liegenden Trümmer des Bergeö, welche meistens eine sehr unregelmäßige, gegen daS Rundesich neigende Gestalt haben, zu Quadern bearbeitet. Die meisten Trümmer bestehen aus einem wilden, festen, körnigenKalkstein, der selten Spuren von Lagern zeigt und sich daher in der Regel nicht spalten läßt. Die Bearbeitung istmit bedeutender Mühe verbunden. Auch finden sich Stücke von beträchtlicher Größe selten, weßhalb schon aus letztererUrsache auf die Idee, sämmtliche Kalksteinquader auS diesen Brüchen zu beziehen, Verzicht geleistet werden mußte-Die in den dortigen Brüchen mitunter zum Vorschein kommenden Eisensteine werden zu Pflastersteinen verarbeitet, undaus dem Tavclianasaudstein wird hydraulischer Kalk bereitet. Alle diese Materialien werden von Mcrligen in großenSchiffen nach Thun gebracht und von dort auf kleinern Schiffen, sogenannten Aarweidligen, auf der Aare nach Berngeführt. Zu Sokcln bearbeitete Merligerquader, auf der Stirnseite sauber gekronlet, werden gewöhnlich zu 12—14 Batzenfranko an den Landungsplatz in Bern geliefert. Hievon betragen die Transportkosten von der Grube bis an den Seeund von demselben bis ans Gestade nach Bern 3'/z—4 Batzen pr. Kubiksnß. Aus diesem Stein wurden die Sokelder Pfeiler und Widerlager der Seitenbogcn und der sämmtlichen Stützmauern hergestellt. Erstere erhielten eine Höhevon 3'/r", letztere von 3Z die Mauerdicke war bei allen abwechselnd 3' und 4^. Die Gebrüder Christian und MichaelPfund von Thun lieferten diese Steine, so wie einige wenige zum Grundbau des Widerlagers des linken Seitenbogens,zur vollen Zufriedenheit des Unternehmers. In der Ausführung gemessen, wurden, theils als Sokel, theils zu besagtemGrundbau 10,254 Kubiksnß von diesem Gestein zum Nydeckbrückenbau verwendet. Für die übrigen Theile der Brücke,welche aus Kalksteinquadern hergestellt werden sollten, hoffte man ein geeignetes Material in einem beim Neuhaus,oberhalb dem Thunersee, eröffneten Bruche zu finden. Dieser Bruch wurde jedoch theils zur Vermeidung des Abraumes,theils zur Erleichterung des Transports zu nahe am Ufer eröffnet, und entsprach den daherigen Erwartungen keineswegs.Der wilde, verworrene Kalkfclsen hatte an diesem Platze keine Spur von regelmäßiger Schichtung, weßhalb dieabzulösenden Theile mit Pulver gesprengt werden mußten. Sowohl wegen Zerklüftung des Felsens, als wegen etwasunzweckmäßiger Behandlung beim Sprengen erhielt man wenig oder keine Quader von namhaftem Kubikinhalte, weßhalbdieser Bruch bald wieder aufgegeben wurde. Etwas weiter oberhalb, und besonders oberhalb dem Brienzersce gegenMeiringen wären viel bessere Aussichten für die Eröffnung eines Steinbruches gewesen, aber dort war ein bedeutenderAbraum, hier ein sehr beträchtlich größerer Transport, weßhalb nach dem ersten gänzlich fehlgcschlagenen Versuchdavon abgegangen wurde. Unter diesen Verhältnissen entschloß man sich, die Ketten der ausspringenden Winkel mitSandstein, das Innere deS Grundbaucs und der Pfeiler des großen Bogens mit Jurakalk von Solothurn, dieVerkleidung des Grundbaues und der Pfeiler, den großen Bogen, die Stirngewölbsteine und die Schlußschichten derSeitenbogcn, so wie das Gesimse und das Brustgeläuder der Brücke und ihrer Zufahrten aus Granit herzustellen.
Die Umgegend von Bern hat keine Brüche von diesem Gestein. Dasselbe findet sich nur ans den Hochalpen des
Oberlandes als anstehender Felsen, dagegen zeigen sich vom Jura bis in alle Seitenthäler des Oberlandes größereund kleinere Findlinge als Zeugen einer gewaltigen Erdrevolution, die von den Naturforscher noch nicht genügenderklärt ist. Diese Findlinge sind jedoch nicht bloß in der Umgebung von Bern, sondern selbst in derjenigen desThunersee's seit einem Menschenalter ausgedeutet und verarbeitet worden, so daß man in dortiger Gegend nur höchstselten ein brauchbares Stück von namhafter Größe findet. Dann haben diese Findlinge überhaupt nur selten einenKubikinhalt von 100—200 Fuß; größere Stücke sind als Ausnahmen zu betrachten. Da diese vereinzelten Granitblöckein dem Eigenthum von Partikularen und Korporationen, von offenen Straßen entfernt zum Vorschein kommen, sowird man begreifen, daß es eben so mühsam als kostspielig sein mußte, sich dieses Material in einem Quantum von
mehr als 100,000 Kubikfuß zu verschaffen. Ehe hierüber Beschlüsse gefaßt wurden, rekognoszirte man sowohl die
Umgebungen von Bern als die Thäler des Oberlandes genau, um beurtheilen zu können, ob sich in nicht allzu weiterEntfernung genug Granitfindlinge zeigen, um hiemit die beabsichtigten Theile des Baues herstellen zu können. In derUmgebung von Bern fanden sich wenige brauchbare Stücke vor, da die meisten früher ausgebeutet worden waren,und die wenigen nicht sehr großen in der Gegend von Allmendingen kamen bei der Menge des Bedarfes kaum in
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