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V. Abschnitt.

Beginn der Arbeit. Fundation der Pfeiler und Widerlager des Hauptbogens.

Vom August 1840 bis Ende Mai 1841.

Kaum einen Monat nach der Vergabung wurde die Arbeit mit einer bedeutenden Zahl italienischer Steinmetzen,welche sich auf das Ausspalten und Bearbeiten des Granits besonders verstehen, in der Umgegend von Brienzbegonnen. Die vielen dortigen Granitfindlinge wurden zu Verkleidungsquadern zum Grundbau der Pfeiler verarbeitet.Gleichzeitig wurden auch in sämmtlichen Brüchen von Solothurn Quader von Jurakalk für das Innere des Grundbauesund der Pfeiler gebrochen. Obgleich nun aber an beiden Orten die Arbeit nach Kräften bethätigt wurde, so wäre esdoch unmöglich gewesen, noch im Laufe dieses Jahres genügendes Material zu liefern, um die Pfeiler bis zumgewöhnlichen Wasscrstand zu erbauen. Unerwartete und außerordentliche Schwierigkeiten bei der Fundation des zuerstbegonnenen linken Pfeilers gaben den Steinmetzen die nöthige Zeit, die zum Bau erforderlichen Werkstücke zur Stellezu schaffen.

Ehe und bevor noch Hand an die Herstellung der Wasserkammern gelegt wurde, ließ der Unternehmer die Areder Brücke durch eingemauerte Pfähle genau ausstccken, und gleichzeitig das Profil des Thales auf dieser Linie mitgrößter Sorgfalt vermessen, was sich um so nothwendiger zeigte, als sich die Aare an der Baustelle um volle zehn Fußschmäler erwies, als sie auf den betreffenden Plänen angegeben war.

Den 12. September wurde die Wasserkammer auf dem linken Ufer angefangen. Um jedoch diese Arbeiten gehörigbeurtheilen zu können, ist es nöthig, vorerst einen Blick sowohl auf den Fluß, an welchem gebaut werden sollte, alsauf die Baustelle selbst zu werfen.

Die Aare entspringt bekanntermaßen auf den Hochgebirgen des Oberlandes, welche den Kanton Bern vanWallis und Uri trennen, und ergießt sich nach kurzem Laufe in den Brienzer- und bald nachher in den Thunersee,welcher auch die Kander und einige minder bedeutende Bäche aufnimmt. Bei ihrem doppelten Ausfluß bei Thun befindensich zwei Schleußenwehre (in dortiger Gegend Pritschen genannt), welche nicht sowohl wegen einiger Wasserwerke alswegen der Schiffahrt angebracht sind, die ohne jene Schleußen im Winter aus Mangel an Wasser nicht stattfindenkönnte. Die im Innern der Stadt Thun angebrachten Britschen werden nur dann geöffnet, wenn der Wasscrstand desSee's eine außerordentliche Höhe erreicht. Dagegen werden die äußern fortwährend offen gelassen, so lange der Seenoch hinlänglich Wasser hat, um die Aare schiffbar zu erhalten; vermindert sich dieses aber zu sehr, so werden auchdiese Schleußen zugemacht und hiedurch jeder Abfluß deS See's mit Ausnahme der Kanäle einiger Wasserwerke versperrtund der See auf diese Art gestaut. Jeden Montag, Mittwoch und Samstag werden die äußern Schleußen regelmäßiggeöffnet; etwa zwei Stunden nach dieser Ocffnung erhebt sich der Wasserstand der Aare in Bern, und steigt in kurzerZeitfrist 3'/z"1 Fuß, wodurch die Wafferkommunikation zwischen Thun und Bern hergestellt wird. Je nach dem Standedes See's werden diese Schleußen am gleichen Abend oder aber am folgenden Morgen geschlossen, um am nächstenSchifffahrtstag wieder geöffnet zu werden. Es ist einleuchtend, daß dieselben, je nach ihrer Behandlung, sehr förderndoder hindernd auf jeden Wasserbau an der Aare wirken müssen, und wir werden später im Falle sein, sowohl derenböse als gute Einwirkungen auf den Npdeckbrückenbau wahrzunehmen. Abgesehen von dem obigen wirken die beidenSeen des Oberlandes gleichsam wie Regulatoren auf den besagten Fluß, und man sollte deßhalb glauben, daß einsehr schnelles Ansteigen desselben nicht wohl möglich sei, worin man sich jedoch irren würde. Da die Aare unterhalbThun noch eine Menge Wildbäche aufnimmt, worunter besonders die Zulg, die Rothachen, die Glütsch und die GürbenErwähnung verdienen, so steigt sie zuweilen durch deren Einwirkung Plötzlich um mehrere Fuß, während das Fallenwegen der besagten Seen, deren Spiegel sich indessen zu erhöhen Pflegt, in der Regel nur sehr langsam erfolgt. DieNormalbreite der Aare beträgt in der Gegend von Bern 156 Fuß und das Gefalle von Thun bis zum Ueberfallswehr(Schwelle) in Bern auf die Länge von sechs Stunden 287 '/r Fuß, also etwa ^ prCt. Dieses hölzerne Ueberfallswehr,welches die Aare einiger Wasserwerke wegen um 7V-/ staut, befindet sich etwa 1400 Fuß oberhalb der Baustelle, undes ist nicht unwahrscheinlich, daß es selbst auf diese Entfernung auf einen Theil der Fundation einen nachtheiligenEinfluß ausgeübt habe.

Hinsichtlich der Lokalität, an welcher die Fundation der beiden Hauptpfeiler stattfinden sollte, ist Folgendes inSAuge zu fassen. Die Brücke mußte in der Mitte einer starken Krümmung des Stromes erbaut werden, weßhalb sichder Stromstrich nahe beim rechten konkaven Ufer befindet, wo der Fels, auf welchem der rechte Pfeiler des Hauptbogensaufgeführt werden sollte, theilweise etwa 2' unter dem Winterfahrwasser sichtbar war; dagegen zeigte er sich laut einigenSondirungen auf dem linken Ufer erst 7V-' tief unter dem niedrigsten oder 1111Vr^ unter dem Fahrwasser. Aufdiesem Felsen, auf welchen der linke Pfeiler sammt Widerlager gesetzt werden sollte, lag jedoch 812^ tief Material,welches vorerst weggeschafft werden mußte, und dessen Beschaffenheit man nur aus der Oberfläche beurtheilen konnte,indem die früher mit einem unzweckmäßig eingerichteten Erdbohrer angestellten Versuche nichts zuverlässiges angaben.

Nach diesen vorläufigen Betrachtungen wollen wir zur Beschreibung des Baues der linkseitigen Wasserkammerschreiten (Siehe Blatt l). Dieselbe bestund aus zwei 8^ von einander entfernten Spundwänden, deren Zwischenraummit wohlgestampstem Lehm ausgefüllt wurde. Diesen zwei Spundwänden wurde später noch eine dritte beigefügt,

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