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welche 5' von der mittlern entfernt war. Die Ausfüllung zwischen diesen zwei letzter» Wänden konnte auf den bloßenFelsen gebracht werden, was bei den äußern nicht der Fall war. Die Konstruktion dieser Spundwände war folgende:In einer Entfernung von je 5' wurden Pfähle von 8"10" Stärke mit wohlgestählten Pfahlschuhen von 78 PfundGewicht in den festen Kiesboden getrieben. Damit wenigstens die innern einigermaßen in den Sandfelsen, welchersehr weich gewärtigt wurde, eindrängen, ließ man ihnen, nachdem sie zum Stehen gebracht waren, noch einigeHitzen geben, wobei sie nach 23 solchen oft zollwcise wieder eindrangen. Diese etwas sonderbare Erscheinung er-klärte sich später nach vollendeter Ausgrabung. Die Pfähle wurden mit einem 353 Pfund schweren Rammklotz in densehr festen Boden getrieben. Jeder Pfahl bedurfte, um zirka 8" tief einzudringen, 2030 Hitzen von je 20 Schlägen.Eine Ramme mit Mechanik und schwerem Klotze wurde bald entfernt, weil diejenige mit Zugleinen viel schneller zumZiele förderte. 1314 Mann, welche die Zugramme bedienten, schlugen täglich im Durchschnitt 6 7 Pfähle bisauf den Felsen, und würden zirka 2 mehr eingerammt haben, wenn man sich nicht die unnütze Mühe gegeben hätte,sie etwas in den Sandfelsen eintreiben zu wollen.

Nachdem die Pfähle eingerammt waren, erhielten sie sowohl auf der Höhe deS niedrigsten Wassers, als ausder größten Höhe des Fangdammes (7' über Null) zwei Schwellen as, welche bei jedem Pfahl d vermittelst einerdurchgehenden Schraube verbunden und befestigt wurden. Diese Schwellen wurden bei den Pfählen so eingeschnitten,daß zwischen ihnen der nöthige Raum offen blieb, um die Bohlen cc einzurammen, welche gegen die Aare 3" undgegen die Wasserkammer, wo der Gegendruck des Wassers aufhören mußte, 4" Dicke erhielten. Der Zwischenraumzwischen den Schwellen war zur Verminderung der Reibung V»" größer als die Dicke der Bohlen. Beim Einrammenwurden die Bohlen, welche mit 34 Pfund schweren eisernen Schuhen versehen waren, nicht einzeln auf die ganzeTiefe getrieben, sondern alle, welche zwischen zwei Pfählen ein für sich bestehendes Feld bildeten, wurden allmäligin regelmäßiger Abwechslung so eingerammt, daß sich selten eine Bohle viel tiefer als die übrigen des gleichen Feldesbefand, wodurch bewirkt wurde, daß sie, trotz dem sehr festen Boden, wenigstens sehr gut zusammenpaßten, obschonsie wegen ihrer geringen Dicke weder Ruth noch Federn erhalten hatten. Sobald diese Wände größtentheils vollendetwaren, wurde zwischen denselben die Ausbaggerung angefangen und mit großer Thätigkeit fortgesetzt. Da man jedochnur Handschippen hatte, und da sich der Kies außerordentlich fest zeigte, so brachte man die Ausbaggerung trotz allerAnstrengung nur bis auf 3'4' unter den tiefsten Wasserstand. Die Hoffnung, einen wasserdichten Boden zu finden,zeigte sich vereitelt, denn man traf fort und fort auf einen stets fester werdenden Kies. Dessen ungeachtet konnte, derSchwierigkeiten wegen, die Ausbaggerung nicht bis aus den Felsen gebracht werden. Es muß dieses jedoch unter denobwaltenden Umständen als ein Glück betrachtet werden, da sonst die Spundwände, deren Pfähle und Bohlen, wieman später sah, den Felsen nirgends auch nur im geringsten gefaßt hatten, wahrscheinlich eingestürzt wären. DiePfähle und Bohlen hatten sich nämlich auf dem Felsen gänzlich zersplittert, weßhalb sie sich beim Einrammen, nacheinigem Stehen, wieder weiter treiben ließen.

Unter diesen Umständen mußte sich der Unternehmer Glück wünschen, gleich anfangs die nöthigen Einrichtungenso getroffen zu haben, daß er nöthigenfalls noch einen innern Fangdamm anbringen konnte. Als die Ausbagge-rung überall bis auf fast 4^ Tiefe unter dem niedrigsten Wasserstand gebracht war, wurde die Einfüllung und Ein-stampfung des Lehmes vorgenommen, nachdem zuvor die beiden Wände mit aus die halbe Holzdicke eingeschnittenenZangen ckck (im Aufriß irrig mit ar, bezeichnet) verbunden worden waren. Da jedoch einige derselben bei der Einfüllungzu reißen anfingen, so mußten an verschiedenen Stellen eiserne, durch den Fangdamm durchgehende Schrauben oeangebracht werden. Auch einige von den zu den Spundwänden verwendeten Bohlen wurden durch den Druck desLehmes etwas gekrümmt. Obschon dieses keinen üblen Einfluß auf die Wasserkammer ausübte, so dürfte es dochrathsam sein, bei ähnlichen Anlässen etwas stärkeres Holz zu verwenden. Die Einfüllung wurde durch die Bewilligung,den nöthigen Lehm aus der nahe gelegenen Kirchenfeldhalde zu nehmen, welche dem Unternehmer von der Feld- undFachkommission der Stadt Bern aus besonderer Gefälligkeit ertheilt wurde, sehr gefördert. Auf diese Art wurde esmöglich, den Fangdamm bis Ende Oktober zu beendigen. Zur Probe erhielten sowohl einige Pfähle als auch einigeBohlen statt Pfahlschuhen gußeiserne Spitzen, welche beistehend in halber natürlicher Größe gezeichnet sind.

Diese Spitzen, die in Frankreich vielfach statt der Pfahlschuhe angewendet werden, zeigten sich unter den ob-waltenden Verhältnissen als vollkommen so gut wie die geschmiedeten Pfahlschuhe, obschon die größern, für diePfahlschuhe bestimmten, nur 1^/z Pfund und die kleinern für die Bohlen nur zirka 20 Loth wogen und kaum denzehnten Theil der geschmiedeten Pfahlschuhe kosteten. Da wo die Pfähle auf den Felsen getrieben wurden, fanden sichdiese Spitzen natürlich in das Holz eingedrückt sonst aber war dieses nur in geringem Maße der Fall.

Gleichzeitig mit obigen Arbeiten wurde außerhalb dem Fangdamm ein Gerinne und ein Wasserrad angebracht,um das während der Arbeit nöthige Wasserschöpfen mit der nahegelegenen Wasserkraft bewerkstelligen zu können. Inder Wasserkammer wurden sodann zwei viereckigte Pumpen von 8 Zoll Quadrat aufgestellt, welche früher zur Grün-dung des Bärenfelserjoches in Basel gedient hatten, und mit dem Wasserrade in Verbindung gesetzt.