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Vergleichende Darstellung der architectonischen Ordnungen der Griechen und Römer und der neueren Baumeister / hrsg. und gezeichnet von Carl Normand
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Es ist unser Zweck, das Vorzüglichste was die Blüthezeit der Baukunst in den architectonischenOrdnungen geleistet hat, die recht eigentlich ihre Zierde ausmachen, mit gewissenhafter Genauigkeitzusammenzustellen, um die Vergleichung der verschiedenen Verhältnisse, welche die berühmtestenMeister angewandt haben, zu erleichtern, und die Bemühungen der Männer zu unterstützen, welcheunter den gebildeten Völkern Geschmack und reinen Styl zu verbreiten sich bemühen. Wir habenfür jede Ordnung Beläge aus den vorzüglichsten griechischen und römischen Denkmählern gewählt,dieselben erläutert, gezeichnet und selbst gestochen; wir haben zugleich die Schriftsteller angeführt,welche davon gehandelt haben, und es uns zur Pflicht gemacht, alle Irrthümer, welche uns aufge-stofsen sind, zu berichtigen. Der Darstellung einer antiken Ordnung haben wir unmittelbar dieselbeOrdnung nach der Angabe neuerer Meister folgen lassen, und unsere Meinung über die verschie-denen Verhältnisse ihrer Säulen, Capitäle, Gebälke u. s. w., über die Wahl und Anordnung derGlieder und ihrer eigentümlichen Verzierungen abgegeben. Die toskanische Ordnung, mit welcherwir begonnen haben, ist die einzige, wo wir nur den neuern italienischen Baumeistern haben folgenkönnen, in Betracht der sehr geringen Ueberreste, welche bis zu uns gelangt sind.

Unsere Arbeit umfafst, die Titelplatte mit eingerechnet, fünf und sechszig Kupfertafeln, wovonvier der toskanischen, dreizehn der dorischen, eben so viel der jonischen, sechszehn der korinthischen,sechs der componirten oder römischen Ordnung angehören. Zwei Blätter enthalten Karyatiden, undzehn Blätter sind zu Details bestimmt, unter denen sich mehrere besonders unter einander vergli-chene Gebälke befinden, verschiedene Methoden die jonischen Schnecken zu winden, die Verjüngungder Säulen und das Verhältnis ihres Gebälks in Bezug auf ihre Hauptdimensionen nach Vitruv's An-gabe, Frontons, Thüren und Fenster, sowohl nach antiken Monumenten, als auch nach den neuernMeistern, die Deckenfelder in der untern Ansicht der Architrave bei einigen Monumenten korinthi-scher Ordnung, und mehrere den verschiedenen Gliedern eigenthümliche Verzierungen. Endlichwird man theils im Text, tlieils auf den Tafeln, Erklärungen und Bemerkungen finden, welche dasWesentlichste zur genauen Kenntnis der architectonischen Ordnungen umfassen, wie sie sich imAlterthume vorfinden, und wie sie Vitruv , Palladio, Scamozzi , Vignola, Serlio , Alberti, Viala, Philihert-Delorme, Chambrai, Desgodetz, Stuart, Delagardette und andere Schriftsteller angeben. Wenn wirdurch getreue Aufstellung aller dieser Verhältnisse den Künstlern einen ihnen immer schätzbarenZeitgewinn und zugleich die Ilauptvortheile der sehr kostbaren Originalwerke verschafft haben, dannist unsere Absicht, das Fortschreiten der Kunst nach unsern Kräften zu fördern, vollkommen erreicht.

Was die deutsche Herausgabe dieses Werkes betrifft, so liegt ihre nächste Veranlassung im vielfach geäufserten Wun-sche, durch ennäfsigten Preis und durch deutschen Text, dasselbe allgemeiner verbreitet zu sehen, denn grofsen Beifallshat sich des Herrn Carl Norm and Zusammenstellung der architectonischen Ordnungen bei allen Architccten cullivirterLänder zu erfreuen Beweis genug, dafs es seinem Vorwurfe vollkommen entspricht. Die deutsche Herausgabe hatin der Wahl der Monumente keine Veränderung treffen wollen, einmal, weil die Berechtigung, aus dem Vortrefflichen dasVortrefflichste durch kritische Analyse auszuscheiden, nur den wenigen Koryphäen unseres deutschen Vaterlandes zusteht;anderseits, weil spätere Ergänzungen, ohne die geschichtliche Folge zu zerreifsen, einige ungern vermifste griechische Alter-thiimer nachbringen dürften. Für jetzt ist der Umfang der französischen Ausgabe ihre Schranke; Concurrenz mitderselben, durch Correctheit und Sauberkeit des Stichs, ihr Streben; Berichtigung, wo cs Noth thut, ihre Befriedigung.

Potsdam , Michaelis-Messe 1829.

d. H.