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.Ivurch diese neue vergleichende Darstellung beabsichtigen wir, Künstlern, angehenden Archi-tecten und Dilettanten die genauen Verhältnisse der architectonischen Ordnungen vor Augen zu legen,welche die berühmtesten Denkmähler alter und neuerer Zeit schmücken, und in einem einzigenBande die Grundsätze dieser Ordnungen zu vereinigen, welche sich zerstreut in einer grofsen Anzahlseltener und kostbarer Werke vorfinden.
Jeder, der aus Beruf oder nur zur Erholung sich mit den schönen Künsten beschäftigt, weifs, biszu welchem Grade der Vollkommenheit die alten Völker Griechenlands und Italiens es darin gebrachthaben. Hier wurde das Talent gehoben durch würdige Begeisterung, genährt durch den Reichthumpoetischer Mythen, unterstützt durch ein zartes Gefühl und durch eine Natursicherheit, wie nur solcheclimatische Verhältnisse, solche bürgerliche Freiheit und solche Sitteneinfalt sie erzeugen konnten; undhier schuf es Meisterwerke, welche bis auf diese Stunde den Künstlern aller Nationen als Urbild gel-ten müssen. Das griechische Alterthum war es, das besonders durch seine Baukunst der NachweltBeweise von Gröfse und Pracht, von Geschmack, Schicklichkeit und Ueberlegung hinterliefs. — AberKünste und Wissenschaften haben, wie die Völker, glückliche Zeiten des Glanzes, unglückliche Zeitendes Verfalls, der Vergessenheit. Jahrhunderte der Unwissenheit und der Barbarei folgten den blühen-den Jahrhunderten eines Perikies, eines Augustus und eines Hadrian , und erst unter der Regierungder Medicäer und Franz I. fanden Gelehrte und Künstler Schutz und Aufmunterung wieder. — Be-gierig und mit Sorgsamkeit wurden die zerstreuten Lehren menschlichen Wissens gesammelt, welcheder Orient uns zuführle. Die Baukunst, Mahlerei und Skulptur erholten sich einigermafsen wiedervon ihrem tiefen Verfall. Die noch vorhandenen Ruinen, die Fragmente antiker Monumente erweck-ten den Genius eines Palladio, Scamozzi und Vignola, und so bildeten sich an diesen kostbaren Ueber-resten Männer, welche berechtigt waren die Bewunderung ihrer Zeitgenossen in Anspruch zu neh-men. Mehrere Baumeister unterschieden die verschiedenen architectonischen Ordnungen und gabenihnen einen bestimmten Character, und unter diesen war es Jakob Barozzio von Vignola, der sich ingewisser Beziehung am strengsten den schönen Verhältnissen der Alten anschlofs. — Die bedeuten-den Veränderungen in den Sitten und Gebräuchen der Völker, die ganz neuen Bedürfnisse, denendie Gebäude entsprechen sollten, endlich die jedem Volke eigenthümliche Bauweise, verleitetenjedoch diese grofsen Meister zu einigen Verirrungen, die sie nicht allein in ihren Bauwerken verewigthaben, sondern die auch in den Schriften und Entwürfen der damaligen Zeit aufbewahrt sind. DieseFehler sind es, welche ein geläuterter Geschmack seitdem zu berichtigen sich bemüht hat. — Nichtsdesto weniger hat Vignola bis auf unsere Zeit, theils durch sein unverkennbares Verdienst, zum Theilauch durch den Einflufs der Gewohnheit, das Recht erlangt, allen welche sich mit der Baukunst be-schäftigen, als ausschliefslicher Führer zu dienen. Jetzt aber, wo unsere Schulen den herrlichenGrundsätzen des Alterthums folgen, wo sie mit Sinn die mannigfaltigen Schönheiten derselben zer-gliedern, wo eine lichtvolle Kritik die Erzeugnisse der Kunst besser zu würdigen versteht, jetzt ist manzur Anerkennung gelangt, dafs dieser eine Meister, den der Gebrauch geheiligt hat, uns nicht mehrbefriedigt, dafs es Noth thut, aus den ungetrübten Quellen zu schöpfen, die er und alle Baumeisterdieser Zeit benutzt haben, welche wie er mehr oder weniger von ihren Vorbildern abgewichen sind.
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