Aussicht von der Terrasse und dem Thurm von S. Balbina. 05
9. Aussicht von der Terrasse und dem Thurmvon S. Balbina.
Obwohl die Aussicht, deren man von der Höhe der Ther-men des Caracalla aus geniesst, nicht blos eine Einsicht indie organische Fügung jener ungeheueren Gebäudemassen ge-währt, sondern auch einen grossen Theil des umherliegendenTrümmerfeldes beherrscht, so ist es doch gar sehr lohnend,die zu der verlassenen Kirche von S. Balbina gehörige Vignazu besuchen, deren Terrasse eine reiche Fernsicht darbietet.Wahrhaft prachtvoll und bezaubernd aber ist die Rundsicht,die der dabei liegende, leider sehr baufällige, Thurm gewährt,zu dem man allerdings nicht ohne Gefahr emporklimmt.
Erst an dieser Stelle gelangt man zur vollständigenUebersicht der riesen mässigen Thermenbauten des Caracallaund Heliogabal. Die stolzen Umfangsmauern, mit denen derletztere das Ganze zum Abschluss gebracht hatte, treten unshier namentlich in ihrer vollen Pracht und Grösse entgegen.Das Gebäude wächst vor unseren Augen, während wir mitden Blicken darauf weilen.
Gleichzeitig erblicken wir von hier aus alle die Ruinenim Zusammenhang, welche wir auf der zurückgelegten Wan-derung einzeln untersucht und betrachtet haben, was in Rück-sicht der wild zerrissenen Trümmer des Palatin von beson-derem Interesse ist.
Wem daran liegt, von der ewigen Stadt ein möglichstscharf gezeichnetes Bild mit sich wegzutragen, muss ähnlicheHöhenpunkte, wo immer sie sich darbieten, fleissig aufsuchenund sich von allen den Gebäuden, die sie zur Erscheinungbringen, genaue Rechenschaft zu geben suchen, was freilichdann erst am besten geschehen kann, wenn man diese selbstbereits in der Nähe zu beobachten und ihrer Construction undBestimmung nach kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hat.
10. S ogen ann t er Bogen de s Drusu s.
Die Wasserleitung, welche die Thermen des Caracallamit ihrem Lebenselement versah, kreuzte die Via Appia we-nige Schritte vor dem Aurelianischen Stadtthor, der heutigen