Band 
Volumen primum.
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558
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558

Tertius

selbige heylige Fiirsatz Gottes ohne die Sünde viel stattlicher, heyliger vndansehnlicher von dem Menschen erreychet hette werden mögen.

Thesis 2. Zum Exempel erjnnere sich der Leser, dass diss ein Theilvon dem Fürsatz Gottes bey Erschaffung des menschlichen Geschlechts gewest,dass Mann vnnd Weib mit einander Kinder zeugen, vnd hierdurch dasmenschliche Geschlecht auch in dieser Welt durch Ersetzung etlicher massenvnsterblich seyn solte. Darmit aber die Eltern sich durch Vnformlichkeitin actu generandi, so auch durch einige Bemühung in Aufzucht der Kinder,nicht abhalten Hessen, Kinder miteinander zu zeugen: Hat er vnter andernErgetzlichkeiten vnd Antreiben (als da ist die natürliche starcke Neygungzu eygnen Leibserben, Item die folgende Frewde, welche die Eltern an jhrenlieben Kindern haben) auch die Liebligkeit beygefüget, vnd zu Erhaltungguter Ordnung, je zweyen Personen eine jnnbrünstige Liebe gegeneinandereyngepflantzet, damit also zwey, vnd nicht mehr, ein Leib würden.

Vnd erachte ich, dass der Mensch im Standt der Vnschuldt gar wolohne alle Sünde, nemlich ad arbitrium legi Dei conforme dieser natürlichenBewegungen sich hette gebrauchen können. I)ann was der heylige Augu-stinus de civitate Dei diesem zuwider bestreitten wil, kömpt dahero, weilnach dem Fall von keiner lieblichen Empfindtlichkeit ohne vnordentlichesündliche Begierde, Bewegung vnd Wollust mag gedacht, geschweigen ge-redt werden.

Einmal ist dasjenige, was heutiges Tags bey Erzeugung der Kinderfürläufft, an vnd für sich selber, ohne Ansehung der Sünde, ein Stück derNatur, vnd derohalben meistentheils vns vernünftigen mit andern -vnver-nünfftigen Creaturen gemein: solte diss nit vor dem Fall gewest seyn, somüste es nach dem Fall entweder von der Sünde in die Natur gepflanzt,vnd dieselbige also an einer wesentlichen Eygenschaff't verändert wordenseyn: oder Gott selbst müste von der Sünde wegen etwas neuwes an derNatur gemacht haben. Weil aber deren keins zu glauben, so bleibt esdemnach darbey, dass diese Lieblichkeit vnd Anmuhtung der Natur vonGott selber, wo nicht dem Standt der Vnschuldt, doch dem Menschen derda fallen können würde, zu nothwendigem Behelf, ohne einige sündtliclieGebrechen anfangs erdacht, vnd zu dem Ende gerichtet worden sey, dar-mit das menschliche Geschlecht also wider alle mügliche Fälle fortgepflantzet",vnd diese Ordnung Gottes erhalten würde.

Thesis 3\ Lass diss jetzt also seyn, vnd bedenck nun weitter, wie essich darmit nach dem Fall verhalte, was für vnreyne, vngebürliche, vnordent-liche, vngerechte, vngehorsame, Ileydnische, vngestümme, vnsinnige, viehische,ja gar Teuffelische Sünden meistentheils ausserhalb, zum theil aber auchjnnerhalb dess Ehestandts hierüber begangen, vnd das gute heylige Ge-schöpf Gottes schändtlich missbraucht werde, vnd was ein jeder darbeysuche, die Kinder nach Gottes Ordnung, oder die fleischliche Wollust. Weres nicht selber weiss oder bedencken kan, der mag hiervmb die Beicht-vätter hören , oder in den Casisten nachschlagen, wirdt er so viel finden,dass er bekennen muss, es schier kein Wunder seye, dass auch der Ehe-standt selber drüber in verdacht kommen, vnd bey den Encratiten aller-dings verworfen worden.

Nichts desto minder so bleibt dieses Stück dess Göttlichen Fürsatzesbey Erschaffung des menschlichen Geschlechts vnvmbgestossen, vnd müssenendtlich auch diese sündliche vnd vnordentliche Begierden bey jüngen ledigen