Band 
Volumen primum.
Seite
559
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Interveniens.

559

Leuten zum Ehestaudt, vnd zu Fortpflantzung des menschlichen Geschlechts,wider der Encratiten Lehr, ja auch die vnordentliche Hurerey, Ehebrüche,vnd andere stumme Sünden, wegen dahero entstehender Kranckheiten, Ar-mut, Leichtfertigkeit, Todtschläge vnd dergleichen, auch bey den Fleyden,zu Erhaltung dess Ehestandts (nach der Ordnung vnd Willen Gottes) An-trieb vnd Fürschub geben.

Thesis 4. So nun dem also bey erwehntem Exempel, was soll esdann für ein sonderliche Seltzamkeit seyn, dass sich dergleichen auch inden Künsten mit der Astronomia vnd Astrologia zuträgt, vnd dem Menschenanfänglichen von Gott eine natürliche vnd wesentliche, an jhr selbst vn-sträffliche Begierde, Gott den Schöpfler, seine Geschöpf}', vnd endtlich sichSelbsten, sampt allem was er ist vnd hat, odej seyn vnd haben werde, zuerkennen vnd zu erforschen eyngepflantzet, dieselbige aber durch den Fallvnd nach dem Fall mit Macht zu der Ehr Gottes, vnd sein selbst frommen,sondern zu Abgöttischer Furcht, verderblicher Sicherheit, zu VerläugnungGottes, vnd Erhebung der Geschöpft', zu Vernichtung vnd Vergessungsein selbst, vnd Gesellschafft mit den verdampten Teuffein gereychet vndgemeinet: Aber doch eben durch diese sündliche Mittel dess meinsten Hauf-fens noch heut zu Tag etliche wenige zu Erkündigung der Geschöpfte Got-tes, vnd dess Menschens natürlicher Seelen Beschaffenheit angereytzet vndgetrieben werden: welches sie hernach auch andere lehren, vnd dieses theilsden erbärmlichen, auss dem Fall entstandenen Schaden etlicher massenauch in diesem Leben wenden vnd ersetzen, vnd die Vnwissenheit auss-tilgen können.

Dann gleich wie dorten in dem eyngeführten Exempel die natürlichevon Gott geordnete Fruchtbarkeit Manns vnd Weibs, von der mit fürlauf-fenden grausamen Sünden wegen darvmb nicht zu schänden oder zu ver-kleinern : Ja gleich wie ein Fündelkindt oder Bastard darvmb nicht in einWasser geworffen oder abgewürget wird, wann man gleich schon weiss, dasses durch Hurerey oder Ehebruch erzeuget worden, in Ansehung es nicht destoweniger ein vernünfftiger Mensch vnd Geschöpft' Gottes sey: Dessen man einsehr gedenckwürdiges Exempel bey Mannsgedencken in Flandern gesehen, da inBeysein vieler Personen von 'einer tragenden Kulie ein recht wolformiertesKindt gefallen vnd aufferzogen worden: Welches (nach dem alten Her-kommen) für seinen Vatter, der sich darzu erkennet, vnd darüber justi-ficiert worden, Buse zu thun, vnd sich Gott zu Dienst zu ergeben willensworden: von dem geschriben wirdt, dass es in allen Stücken einem rechtvernünfftigen Menschen ähnlich, ausgenommen, dass jhme der Lust zumGrassessen nicht vergehen wollen. Gleicherweise soll allhie bey der Natur-kündigung niemand für ein vngläubig Ding ansehen, dass auss abergläubi-schem von Gott verbottenem Fürwitz, nicht nur vor Zeiten, sondern auchnoch heut zu Tag etwas gutes, nutzes, heylsames, vnd zu Gottes Ehr ge-reichendes herfür vnd ans Tagsliecht gebracht wirdt: Viel weniger es sichgebüren wil, dasjenige, was man also erlernet, von der vnordentlichen Mittelwegen, dadurch man es erlernet, hinweg zu werffen vnd zu verdammen: inAnsehung es nicht eben also seyn müssen, dass man durch Abgötterey vndAberglauben darhinder kommen, sondern wann der Mensch nicht gefallenwere, eben dises so wol als noch vnzahlbare mehr dinge ordentlicher hey-liger Weise von vnsern Eltern auff vns geerbet vnd fortpflantzet wordenweren.