Band 
Volumen VIII. Pars II.
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Vita Joannis Kepleri.

Dedicat Ludovicus libellum suum „der Hochgebornen Frawen Maria Salome,Gräfin zu Ilerborsdorff-* etc. Proficiscentem se cum patre Viennam tradidisse ait trans-lationem hanc dominae comiti „als dergleichen tentscher Schrifften Liebhaberin“, jamreducem comperisse, matrem hanc translationem filio suo mittendam consuisse „als einediser Zeit hohen Standes Personen zu practicierung der Regiments- vnd Kriegs Sachenhochnutzlich vnd annemlich“. Qua re motum se libellum typis tradidisse, acceptioremfore ratum typum quam descriptionem. De translatione haec refert: „dass ich alsein Jüngling von so wenig Jahren (annum tum agebat decimum octavum) mich derAusfertigung vnd Zuschreibung dieses verteutschten Werckleins vnterwinde, dessenhoffe ich guten fug zu haben, dann ob wol die Arbeit nit von mir, sondernvon meinem Vattern herruhret, welcher mir anzaiget, dass er eines mals zu Pragam Kay. Hoff, damahlen drey vnterschiedlich Translationes Taciti, ein Wellische, einFrantzösische, beyde mit Commentariis, vnd eine Teutsche von Wort zu Wort auff gutSchulerisch klappende, zumahl in einer Messe aussgangen, dass er sprech Ich, an diesemersten Buch einen versuch gethan habe, ob auch allenwegen derjenige weittgreiffendeSinn, welchen der Author gemeiniglich in kurtze verzückte, gantz Majestätische Wortgefasset, vnd gleichsam verstecket, mit einer guten teutschen vernemlichen dolmätsch-ung, es sey in so wenigen, oder in mehr weitleufftigen Worten, zu erraichen sey.So hab ich mich dieser Arbeit, als meiner aignen anzunemen, Erstlich, weil solchegleich mit vnd neben mir auffgewachsen, also mit mir nahend eines Alters ist. Fürsandere, weil ich nun fast drey Jahr mit deren zugebracht, indem mein Vatter mirdieselbige zu einer Wöchentlichen iibung in Lateinischer Sprach, oder an statt derteutschen Argumenten fürgelegt, die hab ich müssen aus Teutscher Sprach insLateinisch vbersetzen, vnd wann dann er mir mein Version corrigiert gehabt, hab ichmüssen des Cornelii Taciti ersten vrspriinglichen Text am Rand darneben schreiben,vmb Erlernung willen der gleichgültigkeit. Drittens, so hat mein Vatter mir seinRecht an dieser Arbeit, ohne jemandes andern Vernachtheilung, für aigen vberlassen,cediert, vnd mir zu dieser Dedication gerathen: Tröstlicher Hoffnung, dieselbige werdebey E. Gn. so auch sonsten, mir zu guter Beförderung, deren ich ins künfftig, nacherlangtem mehrerm Profectu wol bedürfftig, erspriesslich gedeyen: Mir auch eineAnreitzung geben, mich mit meinem ringfügigen Ingenio, auch in andere weg, zu seinerZeit, vmb die Welt verdient zu machen etc

Datum Lintz den 21. April Anno 1625.

Habemus igitur teste filio librum patris, qni si prius ad manus nostras venisset,integer collectioni nostrae operum Kepleri subjungendus erat. Quia vero in hacvitae Kepleri descriptione locum non aptum invenit, haec tantum ex illo notandacensuimus. Paginis 10 prioribus praemisit Keplerus „eine beylauffige Einladung zubesserem Verstandt der nachfolgenden Histori.“ Recensentur res Romanorum usquead mortem Neronis et his finem facit Keplerus hujus introductionis: „Wann man alleRom. Historien durchlieset, wird sich von der Zeit her, als das Rom. Reich in an-dere Länder ausserhalb Italia erweitert worden, nit finden, dass das gantze Corpusdess Rom. Gebiets in allen seinen Gliedern sich also auff einmal mit aller Macht ge-rfihret vnd erschüttert hette.

Wie nun ein vnbekandtes Thier nit leichtlich zu erkennen ist, wann es stillliegt, oder etwa nur einen Fuss oder den Kopff rühret, sondern wann es auffstehet,alle seine Glieder braucht, alle Kräfften anspannet, vnd sein Werck verrichtet, mitreissen, ziehen, tragen, lauffen, jagen, oder kämpffen, da gibt es der Augenschein,was man an eim solchen Thier habe, vnd warzu es erschaffen sey: gleicher gestaltist es auch heutigs Tags, sonderlich vns Teutschen, vnd wer vnder vns in der RömerBüchern nit gar wol belesen ist, sehr schwer von ihrem gehabten Regiment vnd Re-