Band 
Volumen VIII. Pars II.
Seite
955
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De amicis et fautoribus Kepleri.

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lerus haec adert: „Ich mag mich dieser Experienz mit Warheit rühmen, dassder Mensch in der eisten Entzündung seines Lebens, wann er nicht mehr inMutterleib bleiben kan, einen characterem vnd Abbildung empfahe totius con-stellationis coelestis, seu formae confluxus radiorum in terra, vnd denselbenbiss in sein Grube hinein behalte, der sich hernach in formierung des An-gesichts vnd der vbrigen Leibsgestalt, sowol in seinem Handel vnd Wandel,Sitten vnd Geberden spüren lasse. Seine general Eigenschaft’tcn lassen sich denschönen vnd genauen, oder weitschichtigen vnförmliehen figurationibus, auchgegen Farben vnd Bewegungen vergleichen. Dieser Character wird empfangennicht in den Leib, sondern in die Natur der Seelen selbsten, die sich verhältwie ein Punkt, und die nicht nur deren Vernunfft der Menschen theilhafltig ist,sondern sie hat auch eine andere eingepflanzte Vernunft, die Geometriam sowol in den radiis als in den vocibus im ersten Augenblick zu begreiffen. Esist auch ein wunderlich ding, dass die Natur, welche diesen Characteremempfahet, auch ihre Angehörige zu etwas Gleichheiten in constellationibuscoelestibus befördert. Wann die Mutter grosses Leibs vnd an der natürlichenZeit ist, so sucht dann die Natur einen Tag vnd Stund zur Geburt, der sichmit der Mutter, ihres Vattcrn oder Brüdern Geburt Ilimmelshalben (astrono-nomice) vergleichet. Doch lasset es ilimc nehmen vnd geben wie alle natür-liche Dinge. So weiss eine jede Natur nicht allein ihren characterem coele-stem, sondern auch jedes Tags himmlische Configurationes vnd Läuffe so wol,dass so oft ihr ein Planet de praesenti in ihres characteris ascendentem oderloca praecipua kömpt, sie dadurch vnterschicdlich affcctionirt vnd ermundertwird. Endlich gibt es auch die Erfahrung, dass ein jede starcke Configurationfür sich selbst die Leute in gemein auffinundert vnd zu einem gemeinen Wesen

liabilitirt. Ob es wol nicht ohne Einreden zugehet, so lässt sich doch

ein Philosophus mit dem meinsten begnügen, zu Schöpffung eines Philosophi-schen Wohns, vnd sihet hernach, wie dem vbrigen geschehe.

Wann D. Feselius dise Punkten betrachtet, so soll er aHch seinemGaleno vnd fast der ganzen Medicae facultati desto gerner glauben, dass dieNatur des Menschens, wann sie in einem newen Wcrck ist, einen humoremdurch ein Kranckheit zu exturbiren, dann zumal auch mit dem Mondt ver-wandtnuss habe vnd sich mit dessen Lauff verändere, antreibe in dem Werckdas sie fürhat, vnd dahero die Dies critici verursachet werden. Ich hab diedoctrinam crisium zwar nicht gestudiert, dass ich wüsste der Medicorum ex-perientiam zu des Monds Lauff zu reymen, will aber meine Meynung sagen:Es kömpt der Mondt in 7 Tagen zu dem quadrato des Orts, in 14 zu demopposito etc. so reymet sich die observatio critica dess 7. 14. 20. 27. nicht vbel,vnd muss die Wirkung von des Mondts Lauff in zodiaco herkommen. Ichgeh aber den Medicis zu bedenken, ob ihre observatio auch so gewiss vndbeständig durch alle exempla zutreffe ? Dann sie machen solche mit ihremmannigfaltigen distinquiren vnd mit ihren indicibus, judicibus et intercidentibuseben so wol verdächtig, dass sie nit so gar an diese gew'isse Täge gebundenseyn möchten. Wann ein Medicus seiner Patienten crises so fleissig auff-gezeichnet hefte, so fleissig ich diese 16 Jahr das Wetter auffgezeichnet habe,so wolte ich vielleicht etwas mehrers vnd zur Sachen dienstlichere daraussabneminen vnd fürbringen können. 1). Feselius wolle sich hinder diese par-tem medicae cognitionis machen, damit wirdt er viel besser Ehr einlegen, alswann er viel guter Sachen mit sampt dem Astrologischen Aberglauben vnter-zudrucken sich befleissen wolte.