IV
Einleitung.
4) Stickstoff, Stickstoffgas, Azot, Nitrogen(Salpetererzeuger),
ist ebenso, wie die vorigen, ein luftförmiges, färb-, gc-schmack- und geruchloses Element; nicht brennend, etwasleichter als die atmosphärische Luft. Er macht vier Fünf-teile der letzteren aus und hat als das indifferenteste(gleichgültigste) aller Elemente nur äußerst geringe Ver-wandtschaft zu den übrigen Elementen. Doch bildet er(gebunden, unfrei) die Grundlage der meisten tierischen Sub-stanzen, sowie namentlich der Getreidesamen und Hülsen-srüchte; diese Körper gehen aber, eben wegen der geringenVerwandtschaft des Stickstoffs zu anderen Elementen, durchVerbindung desselben mit dem Wasserstoff, leicht in Zer-setzung und Fäulnis über. Hiebei bildet sich, wie obenbemerkt, das Ammoniak, welches sich an Säuren gebun-den als Ammoniaksalz in den meisten Pstanzen findet.Die Ammoniaksalze werden der Pflanze aus dem Bodendurch Zersetzung stickstoffhaltiger, organischer Körper zuge-führt, weshalb denn auch junge Zellen mehr Stickstoffenthalten als alte, und junges Gras dem Vieh gedeih-licher ist als altes. Den Namen Stickstoff oder Azothat dieser Grundstoff daher, weil er für sich alleindas Leben der Menschen und Tiere, sowie auch jede Flammezum Verlöschen bringt oder erstickt.
Mit Kohlenstoff verbunden bildet der Stickstoff dasgiftige Cyan, mit Sauerstoff verschiedene Oxydations-stufen, so die Salpetersäure, welche sich weit ver-breitet im Salpeter findet und zur Bereitung vonSchwefelsäure, Phosphorsäure, Schießbaum-wolle, Schießpulver u. s. w. dient.
Außer diesen 4 Organogenen sind noch von eini-ger Bedeutung für die Pflanzen folgende, ebenfalls nicht-metallische Grundstoffe: Chlor, Jod, Brom, Fluor, Schwe-fel, Phosphor und Kiesel; sie finden sich aber wenigerhäufig und in geringerer Menge in denselben.
5) Das Chlor, Chlorgas, ist ein luftförmiges, nichtbrennbares Element von grünlicher Färbung und stechen-dem, erstickendem Gerüche, welches glücklicherweise niemalsfrei und unvermischt in der Natur vorkommt, in Verbin-dung mit anderen Elementen aber äußerst wichtige, fürden Menschen wertvolle Stoffe bildet: das Kochsalz,Chloroform, den Chlorkalk, die Salzsäure.Gegen Tier- und Pflanzenstoffe äußert das Chlor eineschnell zerstörende Wirkung, weshalb es auch zum Ver-nichten übelriechender, ungesunder Gase und Ausdünstungs-stoffe benutzt wird. Außerdem dient es, lveil es im feuch-ten Zustande alle organischen Farben schnell zerstört, inVerbindung mit Salz- oder Schwefelsäure, zum Bleichendes Papiers und der Gewebe aus Pflanzenfasern. —Chlor findet sich, immer vermischt mit andern Elementen,in allen im Salzwaffer oder auf Salzboden wachsendenPflanzen.
6) u. 7) Jod und Brom sind einfache, mit demChlor verwandte Grundstoffe, welche in allen Meer- undSalzpflanzen, namentlich in den Tangen, enthalten sind.Das Jod wird in verschiedenen Verbindungen in derPhotographie und Medizin gebraucht, auch zur Gewinnungeiniger Farbstoffe benutzt; es wird aus Meerwasser undMeerpflanzcn, den sogenannten Kelppflanzen, durch Destil-
lation u. s. w. gewonnen. Von den daraus fabriziertenKrystallen produziert Schottland jährlich über 75000 , Frank-reich über 55000 Kilo. — Brom wird weniger aus Meer-wasser, als aus Soolquellen gewonnen. Seine Verwen-dung ist die des Jod, welches immermehr vom Bromverdrängt wird; von letzterem liefert Staßfurt jetzt.jährlich über 7500, Churchill County über 10000Kilo.
8) Fluor ist gasförmig, farblos, nur in Verbindungmit anderen Elementen vorkommend. Mit Wasserstoff ver-bunden giebt es den Fluorwasserstoff, die Flußspatsäure.Diese riecht stechendsauer, raucht an der Luft, ist höchstgiftig und dient hauptsächlich zum Ätzen in Glas. Fluorkommt in geringer Menge in den Pflanzen und auch ebensoin dem Schmelze der Zähne und in den Knochen derMenschen und Tiere vor.
9) Der Schwefel, Sulphur, ist ein ziemlich ver-
breitetes festes, gelbes, leicht verbrennliches Element, wel-ches gediegen und in Verbindung mit andern Grundstoffenvorkommt. Mit 'Sauerstoff verbunden entwickelt ereine erstickende Luftart, welche schwefelige Säure,Schwefeldampf, genannt; bei Aufnahme größerer Mengenvon Sauerstoff entsteht Schwefelsäure (Vitriolöl). MitWasserstoff verbindet sich der Schwefel zu dem, wiefaule Eier riechenden Schwefelwasserstoffgas, demcharakteristischen Bestandteil der heilkräftigen Schwefel-wasser. Der Schwefel findet sich in Form schwefelsaurerSalze fast überall im Pflanzenreich, in Verbindung mitSauerstoff in den Blüten verschiedener Pflanzen und inden ätherischen Ölen der Schotengewächse. Die zu feinemPulver verdichteten Schwefeldämpfe kommen als Schwefel-blumen, geschmolzen und in Formen gegossen als S tan-gens chw es el in den Handel. Der Schwefel dient zurDarstellung von Schießpulver, Schwefelsäure, Streichhöl-zern, Abgüssen, zum Bleichen, zu Arzneien und zu vielenanderen technischen Zwecken. Italien liefert jährlich gegen350 Millionen, Spanien 4 Millionen, Deutschland mitÖstreich etwa 1 , das übrige Europa % Millionen
Kilo Schwefel.
10) Der Phosphor (Lichtträger) ist ein festes,gelbliches, durchsichtiges Element von wachsartiger Härte,welches sich schon bei gewöhnlicher Temperatur mit demSauerstoff der atmosphärischen Lust und zwar unter Feuer-erscheinung verbindet und deshalb selbst im Dunkeln leuchtet.In dieser Verbindung entwickelt sich die Phosphorsäure,welche in Verbindung mit Kalk (als Phosphorsaurer Kalk)die feste Grundlage der Pflanzen-, Tier- und Menfchen-körper bildet, wo er sich dann besonders reichlich in denKnochen und dem Fleische der Menschen und Tiere, sowiein den Samenhüllen fast aller Gräser findet. Er dientzu verschiedenen technischen Zwecken, zu Zündwaren, alsArzneimittel und als heftig wirkendes Rattengift; diePhosphorsalze haben vielfache Verwendung auch inder Landwirtschaft.
11) Kiesel, 8ilicium, kommt in Verbindung mitSauerstoff als Kieselerde fast in allen Pflanzen vorund findet sich in größeren Mengen besonders bei denSchachtelhalmen und Gräsern, deren Halme der Kiesel-erde ihre Härte und Festigkeit verdanken. Die Salze