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Die Küstenvermessung und ihre Verbindung mit der Berliner Grundlinie / ausgeführt von der trigonometrischen Abtheilung des Generalstabes ; hrsg. von J. J. Baeyer
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II. §. 17. Anordnung der Beobachtungen.

hölzernen Pfählen, welche eine starke Drehung zeigen, höchst vorsichtig zuWerke gehen muls. Am besten ist es, wenn man die Beobachtungszeit ent-weder auf den Stillstand selbst, oder doch auf die demselben naheliegendeTageszeit beschränken kann. In der Nähe des Stillstandes wird die Drehungimmer der Zeit proportional angesehen werden können; wenn man daher beiden Winkelbeobachtungen die Vorsicht anwendet, alle Einstellungen in glei-chen Zeitintervallen zu machen, so wird durch das Vorwärts- und Rück-wärts-Beobachten ihr Einflufs vollständig aufgehoben. Glücklicherweise fälltdie günstigste Beobachtungszeit mit dem Stillstand der Drehung nahe zusam-men, so dafs gewöhnlich kein anderer erheblicher Zeitverlust entsteht, als der,den die gröfseren Vorsichtsmaafsregeln erheischen.

Wenn auf Standpunkten, wo keine Drehung zu befürchten war, diezusammengehörigen Beobachtungen an einem Tage nicht vollständig erlangt wer-den konnten, so wurden sie an den folgenden Tagen ergänzt; war aber Dre-hung zu befürchten, so wurden alle unvollständigen Beobachtungen verworfen.

Über die günstigste Beobachtungszeit ist zu bemerken, dafs das He-liotropenlicht in unseren Gegenden des Vormittags selten, in den Mittags-stunden nie zum Beobachten brauchbar ist. Am frühen Morgen, bald nachSonnenaufgang, kömmt es zuweilen vor, dafs die Bilder ruhig sind, dann abertritt ein Zittern und Wallen der Gegenstände ein, welches gegen den Mittaghin wächst und zuweilen so stark wird, dafs das sonst hellste Heliotropen-liclit in einen matten weifslichen Nebel verwandelt wird. Dieser Zustanddauert oft noch einige Stunden nach dem Mittage fort, dann * verliert sichdas Zittern alhnählig, und es tritt nach und nach eine Zeit ein, wo die Bil-der ruhig und zum Beobachten geeignet werden. Diese Zeit dauert ein biszwei Stunden, selten länger, dann tritt, gewöhnlich Stunde vor Sonnen-untergang, ein abermaliges Zittern ein, welches bis zum Untergang der Sonnezunimmt. Dieselben Erscheinungen haben die Russischen Geodäten auf denentferntesten Punkten ihres Reiches in ähnlicher Weise beobachtet und be-schrieben. *)

Auf dem Festlande fällt bei uns die längste Dauer der ruhigen Bilderin die Monate Juli und August. An der Küste, und namentlich auf Rügen,wo die Gesichtslinien zum Tbeil über Wasser gingen, war auch die Herbst-zeit den Beobachtungen noch günstig.

*) Struve, Gradmessung in den Ostseeprovinzen Rufslands. Band I. Seite 187.Sabler , Dissertation über irdische Strahlenbrechung. Dorpat 1839,