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vordere geht in die Schnecke, so daß er wegen seiner Windungen sich desto bequemer in dieSpiralgänge derselben verbreiten kann.
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Ein Schall gelangt gewöhnlich auf folgende Art zu unserer Empfindung. Die durchdie Bewegungen des schallenden Körpers erschütterte Lust theilt die erhaltenen Eindrücke demTrommelfelle mit, dadurch werden die damit in Verbindung stehenden und hebelartig auf ein-ander würkenden Gehörknöchelchen in Bewegung gesetzt, und diese Bewegung wird vermittelstder das eyrunde Fenster bedeckenden Grundfläche des Steigbügels dem im Vorhofe, in denhalbcirkelförmigen Canalen, und in der Vorhofstreppe der Schnecke befindlichen Wasser mit-getheilt, und zugleich wird auch die in der Trommelhöle befindliche Luft durch die Bewegungendes Trommelfelles erschüttert, wodurch auch die Membrane, welche das runde Fenster bedeckt(membrana secundaria ty mpani), und das hinter derselben in der Trommeltreppe der Schneckebefindliche Wasser miterschüttert wird. Diese auf doppelte Art (durch das eyrunde und durchdas runde Fenster) dem Wasser des Labyrinths mitgetheilten schnellen Stoßbewegungen werden
von der in demselben befindlichen Substanz des Gehörnerven, welche sich in dem Vorhofe und
den halbcirkelförmigen Canalen in breylger und häutiger, in der Schnecke aber in faserigerGestalt zeigt, als Schall empfunden, und diese Empfindung wird durch den weitem Fortgangdes Gehörnerven endlich dem Gehirne, welches allem Ansehen nach der allgemeine Sitz derEmpfindungen ist, mitgetheilt.
I. A n m. Daß die Nerven die eigentlichen Werkzeuge der Empfindung sind, und daß sie besondersan den für eine feinere Empfindung bestimmten Theilen des Körpers ihre Scheiden ablegen, undblos ihre markige Substanz in mehrerer und mannigfaltiger Ausdehnung zeigen, daß auch durchdie Nerven eine jede Empfindung augenblicklich zu dem Gehirne, als dem wahrscheinlichen Sitzeeines allgemeinen Sensorium, (bisweilen auch zu andern entfernten Stellen des Körpers) fortge/leitet werde, ist bekannt; aber wie die Nerven empfinden, und wie diese Empfindung fortge/leitet werde, und wie sie endlich zu unserm Bewußtseyn gelange, darüber laßt sich nichts mit einigerGewißheit sagen. Selbst der innere Bau der Nerven ist noch nicht einmahl mit hinlänglicherGenauigkeit bekannt, und die feinen microscopischen Beobachtungen von Leila Torre, Monro,Fontana und Andern treffen nicht ganz mit einander überein. Eine gewöhnliche Meynung warsonst, daß die Nerven durch Schwingungen die Empfindungen fortleiteten; dieses wirdaber schon durch die ersten akustischen Begriffe widerlegt. Ein Körper, der schnelle Schwingungenmachen soll, muß hinlänglich elastisch seyn, dahingegen ein Nerve als ein weicher und nicht gc/spanntcr Körper keine >olche Elasticität zeigt. Ferner können dergleichen Schwingungen auch des/wegen nicht Stattfinden, weil die Nerven sich ganz zwischen andern weichen Theilen befinden, die