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Die Akustik / Ernst Florens Friedrich Chladni
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287
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tichkeik. Die Zahne waren am empfindlichsten, besonders die Schneidezähne; nächst diesender vordere und untere Winkel des Vorderhauptbuns. Auch das Stirnbein, das Hinter-hauptbein und die Schläfe ließen die Schläge gut vernehmen, die Nasenbeine, die unternKinnbacken und die Lippen waren weniger empfindlich. Am Hintern Theile des Halses biszum vierten und fünften Wirbel waren die Schläge stark zu hören, weiter hinunter und an denSeitentheilen des Halses aber weniger. Der Gaumen schien empfindlich zu seyn, die Spitzeder Zunge und der Untertheil derselben aber nicht.

Auch finden sich Beobachtungen hierüber von Kellner in Reils Archiv für diePhysiologie 4. B. r. Heft, wo unter andern auch bemerkt wird, daß wenn man die Ohrenmit den Fingern verstopft, und eine Uhr in der einen Hand hält, die Schlage derselben nurhörbar sind, wenn sie an die Knochengelenke des Fingers, oder überhaupt an harte Theile derHand angedrückt, nicht aber, wenn sie blos zwischen weichen mit vielem Fleische versehenenTheilen der Hand gehalten wird. (Nur ist dieses nicht zu billigen, daß bey dieser Gelegenheitimmer von Schallstraken geredet wird, welches zu der falschen Vorstellungsart, als ob dieLuft zur Forcleitung eines jeden Schalles schlechterdings nothwendig sey, Anlaß geben kann,da doch vielmehr die Erschütterungen hier ganz ohne Einwürkung der Luft blos durch eineStrecke von knochrchen und knorpelichen Theilen bis zu den innersten Gehörwerkzeugen gelangen,so daß auch eine künstlichere Erklarungsarc, etwa durch eine Anastomose des Antlißnerven mitdem Gehörnerven, nicht nöthig ist).

Auch kann ein hinlarrglich starker Schall schon vermittelst der Lust, wiewohl etwasschwacher, durch die äußern Theile des Kopfes zu den innern Gehörwerkzeugen gelangen.Bey ganz festverstopften Ohren vernehme ich jeden etwas starken Schall, z. B. das Anschlageneiner Uhrglocke, oder ein sehr lautes Sprechen u. s. »m zwar weit schwacher als bey offenenOhren, jedoch ziemlich deutlich; wahrscheinlich werden es Andere auch ft finden.

Jeder Druck, welcher auf das Waffer des Labyrinthes entweder durch die Grundflächedes Steigbügels oder durch die Würkung der m der Trommelhöle enthaltenen Luft auf dieMembrane des runden Fensters geschieht, würkt allemahl auf die ganze im Labyrinthe befind-liche Wassermaffe, und erschü^evt durch diese alle damit umgebenen Nervenverbreitungen,indem überhatipt ein jeder Druch auf e j netl Theil einer Flüssigkeit sich durch die ganze flüssige